COR im Interview – Die Fortsetzung aus PK#23

31. März 2010

Kann man in den Bandnamen COR hineininterpretieren, dass du bzw. ihr mit vollem Herzen bei der Sache seid, das COR quasi euer Leben ist und ihr da euer ganzes Herzblut drinsteckt?
Der Name ist schon Programm! Wir lieben es gemeinsam Musik zu machen, sind sehr gute Freunde und reisen leidenschaftlich gern mit dieser Band durch die Weltgeschichte ! Es ist ein Stück Freiheit so leben zu können! Wir haben alle nebenher nicht viel mehr an wichtigem Besitz und stecken ein Großteil unseres Geldes in die Band, Technik, Aufnahme und die Produktion von Cd´s und Platten.
Welche Leidenschaften außer der Band und Tattoos hast Du noch?
Ich betreibe nebenbei mit meiner Freundin einen kleinen Bauernhof, sammele Vinyl und gehe meinem Job als Betreuer für alkoholkranke, psychisch-, geistig und körperlich behinderte  Menschen sehr gerne nach! Eine Sache  die ich neben der Musik nicht mehr missen will!

Du magst anscheinend nicht, dass die Szene sich untereinander aufsplittet oder gar bekriegt, wie sie das teilweise tut. Denkst du es ist möglich Politikpunks, Metaller, Oi-Punks und RocknRoller etwas näher zueinander zubringen? Ist das überhaupt sinnvoll bzw. wünschenswert? Wird einem sich hinterfragenden Menschen wie dir die Oi! bzw. Metalszene ab einem gewissen Punkt nicht auch irgendwann einfach zu stumpf? Wo ziehst du persönlich deine Grenzen?
Dummheit und Stumpfsinn gibt es in jeder Musikrichtung, auch im Punk und HC ! Aber ebenso gibt es in allen Szenen die guten und wichtigen Bands! Es gibt auch im Oi und Metalbereich Bands, die wirklich was zu sagen haben! So zum Beispiel Gumbles oder auch Volxsturm, die völlig zu Unrecht an den rechten oder stumpfen Rand gedrängt werden, obwohl sie immer die Fahne der Antirassistischen OI Musik hochgehalten haben! Und das noch mit intelligenten Texten und Aussagen! Man muß nur zuhören! Für umso wichtiger halte ich es deshalb nicht nach Frisur und Musikrichtung zu gehen , sondern nach Aussage ! Und ich denke da gibt es eine Masse an guten Leuten überall, die gemeinsam eine große Kraft sein könnten ! Und musiktechnisch liegen ja auch nicht solche Welten dazwischen, denn im Endeffekt ist alles nur Rock N Roll und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Tönen, die von allen genutzt werden müssen um ein Liedchen zu trällern!

Die Spannbreite eurer Auftritte ist riesengroß. Mal spielt ihr auf große Metal-Festivals, dann wieder in besetzten Häusern. Was gibt Dir mehr? Wo fühlst du dich am wohlsten?
Am besten fühle ich mich wenn der Sound gut ist und Leute vor der Bühne stehen die Lust auf unsere Musik haben! Dann sind mir Zeit und Ort des Gigs und die Anzahl der Anwesenden völlig egal!
Wenn man für sein Schaffenswerk Reviews wie dieses bekommt „Für mich ist COR die wichtigste deutsche Punk-Band seit Slime. Diesen Ruf unterstreichen sie mit ihrer neuen CD „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“, die einfach in jeden guten Haushalt gehört…“ was geht dann in einem vor?
Dann sollte man sich freuen und locker und gelöst bleiben, weil das nur eine Meinung von seeehhhhhhrrrr vielen ist ! Und ebenso wie es zu jeder Platte die guten Kritiken gibt, gibt es auch die bösen und schlechten ! Aber auch hier heißt es: „Ruhig bleiben!“ Obwohl der Vergleich mit Slime schon sehr schön ist!

Schon mal drüber nachgedacht was Du machst, wenn Du kein Platz mehr auf Deiner Haut für neue Motive hast? Schon mal selbst zur Nadel gegriffen?
Der Umstand mit dem wenigen Platz ist mir auch schon aufgefallen und so gehe ich in den letzten Jahren etwas gebremster und kontrollierter zu Werke und plane mit meiner Freundin (die mich tätowiert) schon sehr genau und weit im Voraus was wir wie machen, damit der Platz möglichst effektiv genutzt wird! Das mit der Nadel lassen wir mal lieber sein, denn ich zeichne und tätowiere so wie ich singe – rau und schräg ! Den Gesang kann man abschalten, beim Tattoo wird’s dann komplizierter!

Von den Troopers zu COR ist ein „Karriere-Sprung“ der nicht ganz üblichen Sorte. Soll heißen, zwei Bands wie Tag und Nacht. Sowohl vom textlichen Anspruch als auch musikalisch. Wie kam es 2002 zu diesem Sinneswandel?
Erst war COR dann kam das Troopers Engagement ! Ich kannte Atze aus dem Studio in Berlin, in dem ich eine Scheibe mit ner anderen Band aufgenommen hab und er mochte mein Schlagzeugspiel ! Irgendwann fragte er direkt an und ich hatte Lust dazu! Ich habe dann die Bands parallel laufen lassen und da COR noch nicht so lief hatte ich auch die Zeit! Allerdings wurde die aufgrund der vielen COR Gigs immer knapper und dazu bekam ich auch noch drei Bandscheibenvorfälle, die so heftig waren, dass mein linkes Bein eine zeit lang komplett taub war! Dazu gabs Stress mit der Troopers Plattenfirma, deren Geschäftsgebaren mir nicht lagen und so beendeten wir das Ganze ! Tut mir heute manchmal noch in der Seele weh, weil Atze ein guter Kerl ist und wir eine Menge Spass zusammen hatten!

Korrigiere mich bitte wenn ich falsch liege, euren letzten Schlagzeuger habt ihr an wieder an die Troopers abgegeben. COR-Leute scheinen quasi zwangsläufig bei den Troopers hinterm Schlagzeug zu landen. Aktuell suchen die Troopers meines Wissens schon wieder einen Drummer. Wer von euch ist wohl als nächster dran?
Das ist ein wenig falsch! Bei meinem Ausstieg wollte ich Atze nicht schaden und da er von der Band lebt und die Kohle brauchte, wäre er ohne Schlagzeuger ziemlich schlecht dran gewesen! Ich hatte aber absolut keine Lust mehr doch mein Bruder Johannes ( COR Schlagzeuger ) tat mir den Gefallen und hat noch ein halbes Jahr gespielt, um Atze Zeit zu geben sich neue Leute zu suchen ! Übrigens: auch unser Bassist Matze hat bei den Troopers ausgeholfen und die letzte Platte eingespielt, stieg dann aber mit uns gemeinsam aus, um die ganze Zeit für COR zu haben.

2006 habt ihr eure eigenes Label Ruegencore gegründet. Was war der Anlass dazu? Man hört es gab Differenzen mit Bad Dog Records …
Plattenfirmen leben von Bands und ihrer Musik ! Einige tun das fair andere wiederum machen sich die Taschen voll! Wie dem auch sei, wir haben unsere guten und schlechten Erfahrungen gemacht und die Konsequenz gezogen ! Deshalb gibt es Ruegencore Rec. ! Wir machen alles selbst, von der Musik über die Designs, Vermarktung, Merch – Druck, Booking usw. ! Nur für den Vertrieb und ein Teil der Promo haben wir Partner ! Das hat den Vorteil, dass wir unsere eigenen Herren sind und das gesamte COR Ding so läuft, wie wir es uns vorstellen. Kostet viel Zeit und Kraft aber ich kann es nur jeder Band empfehlen! Außerdem glaube ich, dass diese Art des DIY der Plattenvertrieb der Zukunft sein wird! Wer braucht noch große Labels, die nur Kohle abschöpfen, wenn man selbst via Internet ,Fanzines und Livegigs  die Möglichkeit hat jede Menge Leute zu erreichen!! Und ein Mangel an guten Clubs und Festivals die man rocken kann herrscht nun wirklich nicht!

Manche Bands gehen nur betrunken oder unter Drogen auf die Bühne. Wie verhält sich das bei euch?
Ich trinke gar nicht, der Schlagzeuger sehr selten und Basser und Gitarrenmann nur nach dem Gig oder vorher mal ein Bierchen! Ich hasse es mich auf eine Band zu freuen, die dann aufgrund von Drogen und Suff mehr damit beschäftigt ist sich auf den Beinen zu halten als gut zu spielen! Und das möchte ich dann auch unserem Publikum nicht antun ! Außerdem fahre ich keine 600 km durch Land, um dann besoffen von der Bühne zu fallen! Das kann ich zu Hause billiger haben! Drogen waren und sind bei uns überhaupt kein Thema !

Sind Alkohol und Drogen ein essentieller Teil des Punkrock-Business? Oder denkst du die R’n’R-Szene könnte auch ohne funktionieren? Welche Rolle spielt das in deinem Leben. Was hat es dir gegeben und was genommen?
Das sieht jeder anders ! Ich hatte meine guten Zeiten und viel Wahnsinn im Suff und habe meinen Teil getrunken ! Ende ! Irgendwann bin ich morgens aufgewacht und habe mir gesagt, dass brauchst du ab heute nicht mehr! Es fehlt mir auch nichts! Alkohol war auch immer ein Stimmungsverstärker bei mir und hat mich an schlechten Tagen noch schlechter gemacht ! Darauf hatte ich keine Lust mehr! Es gibt Leute die können mit Alkohol und Drogen leben und umgehen, das ist ok und von mir akzeptiert! Ich kann es nicht!

Herzlichen dank für das Interview, alles Gute für Dich, deine Band und deine Familie … Wäre fein wenn man sich mal wieder über den Weg läuft
Stefano , danke dir für das wirklich gute und durchdachte Interview ! Alles Gute für dich !!!

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7. February 2012

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