Gerd Dudenhöffer über Heinz Becker sich & die Welt
Waaas? Du weißt nicht, wer Heinz Becker ist? Ist ja so, wie wenn ein im östlichen Saarland wohnendes Mitglied des dortigen Kleingartenvereines behaupten würde, keinen Spießbürger zu kennen trotz der Tatsache, dass dieses Kleingartenvereinsmitglied jeden Tag in den Spiegel schaut. Oder ein Neger die Frechheit besäße, uns davon überzeugen zu wollen, dass er noch nie schwarzgefahren sei. Oder ein in Paris lebendes männliches Wesen sich zu der Aussage hinreißen ließe, niemals etwas mit Parisern zu tun gehabt zu haben…
Seit über einem Vierteljahrhundert sorgt der Kabarettist Gerd Dudenhöffer dafür, dass die auf dem Spießerkopf von Heinz Becker sitzende Schiebermütze (Batschkapp) mittlerweile landesweit salonfähig ist. Jetzt kommst DU daher und sagst, dass Du Heinz Becker nicht kennst? Dommschwätzer. Dann les wenigstens das Interview…
Dr. Satori: Herr Dudenhöffer, Sie sind dafür bekannt, dass Sie Saarländisch bundesweit publik gemacht haben, durch die von Ihnen kreierte Figur „Heinz Becker“.
G. Dudenhöffer: Jein, jein… – ich spreche nicht das astreine Saarländisch, weil ich schon sehr nahe im Ostteil des Saarlandes wohne, also Pfalz. Wir sind von der Mentalität her mehr Pfälzer – das merkt man auch an der Sprache, weil das originale Saarländisch hat so Vokalverschiebungen. Zu „Fenster“ sagen die „Fieschter“, wir sagen „Fenschter“ – insofern versteht man das auch bundesweit gut. Das ist ein großer Vorteil, den ich habe.
Dr. Satori: Haben Sie es eigentlich seinerzeit für möglich gehalten, als Sie diese Kunstfigur „Heinz Becker“ erschaffen haben, dass diese Kunstfigur zu solch einer Kultfigur wird? Ähnlich wie in dem Gedicht „Der Zauberlehrling“, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde?
G. Dudenhöffer: So etwas kann man nicht für möglich halten. Das war anfangs nur ein Sketch in meinem Programm, mit einer Figur, die auch noch gar nicht Heinz Becker hieß…
Dr. Satori: Wie hieß denn die Figur damals?
G. Dudenhöffer: Sie hatte noch gar keinen Namen – das war einfach eine Figur, die saarländisch spricht und in etwa so einen Typ darstellte, wie er auch heute ist, aber noch nicht so konturiert und der ging los wie ein Knallfrosch. Dann dachte ich mir, gut, schreibe ich noch einen zweiten Sketch, so dass man einen kleinen saarländischen Block hat, was ja immer gut ankommt, für die Mischung – und daraus wurde innerhalb kürzester Zeit dieser Heinz.
S. Stiletti: Ist es denn schwierig, wenn man bundesweit in solch eine markante Rolle reingewachsen ist, andere Engagements zu bekommen, die nichts mit Heinz Becker zu tun haben?
G. Dudenhöffer:Ich mach ausschließlich Becker. Ich bin ja Autodidakt, bin kein Schauspieler der Rollen kriegt. Ich schreibe und spiele ausschließlich meine eigenen Sachen – und das ist Heinz.
Dr. Satori: Bei Loriot haben Sie auch mitgespielt
(pappa ante portas). Als Kellner hab ich sie dort nicht registriert bzw. erkannt.
G. Dudenhöffer: Ja, ich hab dort einen Kellner gespielt.
Ja gut, da war ich noch jünger…
Dr. Satori: Na also, sie haben sich doch kaum verändert …
G. Dudenhöffer: …doch, doch. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass man mich in dem Film einfach nicht erwartet hat. Hätte ich die Mütze angehabt, würde man sagen: „ah, guck mal, der Heinz…“
Dr. Satori: Sie kommen aus dem Saarland und dort ist ja die „jeder-kennt-jeden-Mentalität“ und „jeder-redet-über-jeden-Mentalität“ vorherrschend. Entspricht dies auch ein Stück weit Ihrer Mentalität oder sind Sie privat eher einer, der sich zurückzieht und die beobachtende Rolle innehat.
G. Dudenhöffer: Absolut! Also ich kenn mich im Saarland auch nicht aus – ich könnte Ihnen nicht viel über das Saarland sagen. Ich weiß zwar, dass es da schöne Flecken gibt, dass die Leute ganz witzig sind, aber dass ich jemand bin, der sich am Klüngel beteiligt (wie man in Köln sagt), ist überhaupt nicht zutreffend. Ich zieh mich wirklich zurück. Ich bin ja auch jetzt zurückgezogen – sieht mich ja keiner, außer auf der Bühne. Aber das muss man auch, wenn man solch eine Rolle spielt. Mehr beobachten und zuhören als sich selbst beteiligen. Ich bin wirklich lieber zuhause, als dass ich mich in Kneipen oder dergleichen aufhalte um meine Beobachtungen zu machen. Es ist ja auch nicht das Plakative, was interessant ist, sondern es sind eher so Nebenschauplätze – und das kann man jeden Tag auf der Straße beobachten.
Dr. Satori: In Ihrem Gedichtband (Opuscula), den Sie 1999 geschrieben haben, ist beispielsweise das Gedicht „Die Gästeliste“ drin – alle Gäste werden von Ihnen gestrichen, zum Schluss bleibt nur noch einer übrig – nämlich Sie …
G. Dudenhöffer: Das entspricht auch meiner Mentalität – ich bin also kein großer Feierer. Den 60. muss ich wahrscheinlich feiern, hat die Agentur schon angekündigt…
Dr. Satori: Sie sind gelernter Grafik-Designer, haben in München studiert, sind eine zeitlang selbständig gewesen, arbeiteten für verschiedene Agenturen. Wie sieht es mit den Plakaten aus, entwerfen Sie die selbst?
G. Dudenhöffer: Ich lass die Finger davon. Das Plakat fürs nächste Programm, hat meine Tochter gemacht, die ist in Amerika und macht da Communication – und das sieht immer gut aus, wenn da steht: „Gestaltung Tina Dudenhöffer, Miami“. Sie geht aber weniger in die Grafik, als vielmehr in die Kommunikation.
Dr. Satori: Stört es Sie eigentlich, dass Sie von vielen Personen auf die von Ihnen erschaffene Kunstfigur Heinz Becker reduziert werden und oftmals außer acht gelassen wird, dass Sie auch Lyrik machen, eine Erzählung geschrieben haben (Reise nach Talibu)?
G. Dudenhöffer: Nein, dazu ist der Heinz Becker zu kopflastig – dafür mach ich das zu ausschließlich. Talibu ist ja nur ein Büchelchen, ein dünnes Buch. Ich hatte auch keinen Verlag gefunden, dies war mir aber im Vorfeld klar. Ich hab noch zu meinem Manager gesagt, dass wir dafür keinen Verlag finden werden. Verlage wollen von mir (wenn sie ein Buch herausgeben), dass vorne auf dem Cover ein Foto von mir ist, mit der Batschkapp und dem Titel: „Die besten Sprüche von Heinz über Hilde“… Dann kann ich damit auch zur Buchmesse. Das wollte ich aber nicht. Ich habe gesagt, ich zieh das durch, hatte meine Vorstellungen, wie es auszusehen hat (Cover hat auch meine Tochter gemacht). Und das ist ordentlich, das mach ich dann wirklich so, wie ich mir das vorstelle. Wenn man mir das Buch um die Ohren schlägt, dann soll man es mir eben um die Ohren schlagen und wenn nicht, dann ist es auch gut. Es gibt auch ganz witzige Reaktionen auf das Buch…
Dr. Satori: …das ist schön, wenn man das so gelassen sehen kann, wenn man nicht unter Erfolgsdruck steht…
G. Dudenhöffer: … ich hab mit dem Buch bislang kein Pfennig Geld verdient, also plus gemacht…
S. Stiletti: Hat man nicht trotzdem einen gewissen Bonus, wenn der Name Dudenhöffer auf dem Buch steht?
G. Dudenhöffer: Nein, überhaupt nicht. Aber ich kann mir das leisten, weil das andere gerade so gut läuft. Viele fragen: „ah, wollen Sie jetzt allmählich ins Schriftstellerische??“ – das wäre ja verbissen, wo will ich denn die Garantie hernehmen, dass ich als Schriftsteller den Erfolg erziele, den ich mit Heinz Becker habe und hatte. Dennis Scheck (Anmerkung: Literaturkritiker) von der ARD würde mich wahrscheinlich nicht nur die Rutsche runterrollen lassen, sondern würde wahrscheinlich auch noch auf das Buch drauf treten und mit der Sense zerhacken. Das interessiert mich aber alles nicht. Alle Namhaften (also die ich dafür halte) haben das Buch, einige haben sich geäußert, jetzt machen wir es noch als Hörbuch…
S. Stilett: Selbst gesprochen?
G. Dudenhöffer: Nein, nein – man muss auch wissen, was man nicht kann. Für die Lesung ist es ok, aber Heinz hat ein ganz anderes Timing. Wenn ich ein Buch jemandem vorlese, nahezu erzähle, muss die Stimme stimmen. Wie gesagt, bei der Lesung ist es ok, da nehme ich die Erfahrung von der Bühne und da kann man auch so ein bisschen Späßchen noch drum rum machen – wenn ich da so 10 Seiten vortrage, ist es in Ordnung, aber ein Hörbuch ist ganz anders aufgebaut.
Dr. Satori: Das Buch „eine Reise nach Talibu“ beschreibt ja zwei Leute, die irgendwie auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit sind. Wie stark ist denn das Suchende bei Ihnen vorhanden? Sind Sie auch noch auf der Suche nach dem inneren Schwerpunkt, der inneren Mitte? Oder sind Sie im seelischen Gleichgewicht mit sich selbst?
G. Dudenhöffer: Suchen soll man immer. Wenn man sagt, ich bin angekommen oder sagt, man ist am Ziel, dann ist man am Ende. Aber ich hab keine Ahnung, auf welcher Suche ich bin.
S. Stiletto: Ist es ausschließlich Ihre Intention zu unterhalten oder wollen Sie auch im Kopf Ihres Publikums etwas bewirken?
G. Dudenhöffer: Also auf keinen Fall will ich pädagogisch wirken oder mahnender Zeigefinger sein, weil das die Leute nicht mehr hören können. Das ich Anliegen habe und die halt so verpacke, dass viele Leute erstmal ausrutschen, sieht man an mehreren Themen. Viele Leute gehen abends raus und meinen, das wäre meine persönliche Meinung. Für mich ist es ein Kompliment – auf der Bühne jedoch ein bisschen unangenehm, wenn Leute dann protestieren oder rausgehen. Aber mir ist es dann lieber, es gehen welche raus, als dass zwei Busse nachkommen. Damit muss ich einfach rechnen, wenn ich Satire mache, dass die Leute sich bei diesen Themen ausklinken.
S. Stiletto: Was empfinden Sie denn, wenn das Publikum Ihre Spießbürger-Persiflagen für bare Münze halten? Also wenn die Leute lachen – lachen die dann aus Überzeugung, ist es die eigene „Spießbürger-Romantik“, die die dann noch irgendwie bestätigt sehen?
G. Dudenhöffer: Wenn ich den Spießbürger meine, dann mein ich auch den Spießbürger in mir. Es wäre arrogant, wenn ich sagen würde, ich geh jetzt mal auf die Bühne und zeig euch mal, wie fürchterlich ihr seid. Was ist spießbürgerlich? Wenn jemand sein Marienaltärchen hat? Jeden Tag halt gleich, oder wenn man an einem Auto vorbei geht und sieht, da ist eine Schramme – das ist ja dann auch schon spießbürgerlich, oder? Wenn man im Garten das Laub wegmacht – auch spießbürgerlich? Es ist so: Ich mag keine Schablonen in der Gesellschaft oder von der Gesellschaft vorgefertigte Schablonen. Wird dann immer drüber gelegt, passt nicht, ist fürchterlich, geht nicht, ist unnormal, ist spießbürgerlich…
S. Stiletto: Was empfinden Sie, wenn das Publikum schallend lacht, wenn Sie so Sprüche bringen, wie beispielsweise: „dann lassen wir halt das Bimbo´sche mal hüpfe…“
G. Dudenhöffer: Ja gut, das mach ich gezielt immer wieder, setz davor aber ein Thema über Tomaten, wo die Leute richtig ablachen und sich sagen: „das wird ein schöner Abend“ – und dann kommt es knüppeldick. Das mach ich in jedem Programm ganz bewusst.
Dr. Satori: Die Kontraste sind ja in ihrem Programm auch das Entscheidende …
G. Dudenhöffer: … ja, ich bin jetzt mit der Satireschraube, denk ich mal, da am Ende. Ich darf die Figur Heinz auch nicht kaputt machen oder verraten. Damit kann ich jetzt auch nicht alles machen, dafür haben wir ja den Günter Schramm…
Dr. Satori: …Georg Schramm…
G. Dudenhöffer: Ja stimmt, Georg Schramm… – und das ist auch gut so. Ich sagte vorhin bereits, dass man wissen muss, was man nicht machen kann. Und jetzt bin ich an einem Punkt, bei dem Programm, bis dahin und nicht weiter. Jetzt kann man das irgendwie mischen oder anders aufbereiten. Aber mehr darf da nicht mehr kommen.
S. Stiletto: Was denken Sie in der Realität, wenn Sie einem Menschen gegenüberstehen, der wie Heinz Becker ist und auch so mit Ihnen umgehen würde?
G. Dudenhöffer: Man steht ja täglich einem Heinz Becker gegenüber. Wenn er mir dabei hilft, irgendwo ein Loch in die Wand zu bohren, dann ist er nett. Wenn er mich aber aufhält und mir irgendwas von Tomatenzucht erzählen will, dann ist das halt irgendwie…. Aber das ist ja genau das, was ich auf der Bühne meine, das kennt ja jeder. Man steht auf einer Beerdigung und jemand fragt, kennste schon den neuesten Witz? Das ist halt so, so ist das Leben.
Dr. Satori: 1999 haben Sie den Film „Tach Herr Doktor“ herausgebracht, der sogar außerhalb der Fangemeinschaft um Gerd Dudenhöffer bzw. Heinz Becker hohe Anerkennung eingebracht hat, nur leider wirtschaftlich nicht das eingespielt hat, was er hätte einspielen sollen…
G. Dudenhöffer: … ja, aber das lag wirklich an der Promotion. Senator war damals in der Umstrukturierung und da sind wir wirklich drüber gestolpert. Der Film war wirklich gut, auch von den Gags her – mit G. Roll als Regisseur, hat sensationelles Licht und gute Kamera gemacht. Ich war ja fast jeden Abend 3 Wochen lang im Kino und hab mit den Leuten geredet. Das war hervorragend – aber promotet unter aller Sau.
Dr. Satori: Ist dies mit Grund dafür, warum Sie keine sonderlichen Ambitionen mehr haben, einen neuen Kinofilm zu produzieren?
G. Dudenhöffer: Also ich bin ein Eigenbrödler und ein Eigenkämpfer – ich müsste den Kinofilm selbst finanzieren. Das kann ich nicht. Bernd Eichinger würde sofort einen Film mit mir machen, aber der redet mir rein – und das mach ich nicht mit. Der würde unter Garantie sagen: „Ja der Heinz, der muss mal die Mütze ausziehen, und so…“… Und diese Diskussionen, will ich mir lieber ersparen. Da investiere ich meine Kraft lieber in die Bühnenprogramme und gehe abends raus und mache meine Arbeit so, wie ich es mir vorstelle. Bernd Eichinger, das weiß ich, redet rein. Er meint es nicht böse, aber die Figur wäre dann kaputt.
S. Stiletto: Es ist aber auch schwierig, Spannung über 90 Minuten in einem Film zu erhalten?
Gerd Dudenhöffer: Wenn ich jetzt eine Geschichte erzählen würde, ja – das ist auch in dem Buch Talibu so. Ich habe in Talibu versucht, eine Spannung zu erzeugen, ohne Geschichte. Das geht ja nur über die Sprache. Im Kinofilm („Tach Herr Doktor), da ist ein roter Faden, der wohnt da nebendran, der baut eine Terrasse und der fragt, ob er zum Geburtstag kommt. Das ist die ganze Geschichte. So auch bei Loriots Film Pappa ante Portas, leitender Angestellter, ist zu Hause, was passiert da… Also durch die Gags und durch den Text wird versucht, die Spannung aufzubauen. Ein ganz anderes Schreiben, ein ganz anderer Bogen wie beim Krimi oder so.
S. Stiletto: Ihr ehemaliger Kollege Gregor Weber ist inzwischen Tatort-Hauptkommissar. Ist der denn bei Ihnen ausgestiegen, um nicht nur auf die „Stefan-Rolle“ reduziert zu werden?
Gerd Dudenhöffer: Nein, nein, das hatte andere Gründe. Wir hatten ja das ganze Team ausgewechselt, also bis auf den Heinz. Man muss halt manchmal umbesetzen. Das kennt die Serie „Ekel Alfred“, das kennen andere Serien. Manchmal steht man halt vor der Frage: „was mach ich jetzt?“, dann muss man halt umbesetzen.
Dr. Satori: Wie sieht es denn aus mit einer neuen Staffel von Familie Heinz Becker?
Gerd Dudenhöffer: Familie Heinz Becker im Fernsehen wird es nicht mehr geben, weil die jetzt überall waren und über alles geredet haben. Über Blumenkohl, über Rhabarber oder über Rosenkohl – ich hab mit der Familie alles gemacht.
S. Stiletto: In den Staffeln der Familie Heinz Becker gab es ja auch häufig Gastauftritte, z.B. Jule Neigel, Georg Uecker von der Lindenstraße. Gibt es für Sie auch Anfragen, dass Sie irgendwo durchs Bild laufen sollen?
Gerd Dudenhöffer: Also ich kann ehrlich sagen nein. Es kommt manchmal, ist aber so verschwindend gering – weil, ich weiß es nicht. Doris Dörrie hat mich mal gefragt, für – was war denn das für ein Film…, es gibt irgendeinen Klassiker mit Walter Matthau…, aber nicht das verrückte Paar… es gibt einen Film, mit einer Pokerrunde… da sollte ich einen Steuerberater oder irgendwas spielen. Aber ich war auf Tour. Aber ich muss sagen, dass ehrt mich, wenn überhaupt jemand an mich denkt oder das mit Loriot. Gut, da hat es ja auch funktioniert, ich habe mitgespielt. Da bekam ich auch einen richtigen Rüffel von ihm…
Dr. Satori: …wieso denn das?
Gerd Dudenhöffer: Ähh, ursprünglich waren es 4 Drehtage, dann waren es 4 Seiten, dann waren es 4 Sätze – und da hab ich dann gesagt: „mach ich nicht!“ Dann bekam ich wirklich eine größere Rolle (die vom Kellner) und wir begegnen uns zum ersten Mal, stehen uns in Berlin auf der Straße gegenüber und dann sagt der mir ohne Ankündigung: „auch die kleinste Rolle muss gut besetzt sein!“. Das hab ich mir gut gemerkt.
Dr. Satori: Loriot hat ja sehr hohe Ansprüche – insofern ehrenhaft, wenn man auch nur eine kleine Rolle bekommt.
Gerd Dudenhöffer: Ja klar, völlig in Ordnung gewesen. Das nächste Mal, wenn er mich fragt, mach ich die 4 Sätze…
Dr. Satori: Innerhalb der letzten 3 Monate haben Sie 58 Auftritte absolviert. Reichlich viel. Wie halten Sie sich fit?
Gerd Dudenhöffer: Überhaupt nicht. Nix. Ich sitz hier und trink vielleicht mal ein Bier, ein Schnaps oder auch mal ein Wein, aber ich mache keine Fitness. Null.
Dr. Satori: Kennen Sie Lampenfieber vor dem Auftritt?
Gerd Dudenhöffer: Das ist wichtig. Ja. Ich glaube, wenn Michael Schumacher kein Lampenfieber hätte, dann würde er in der ersten Kurve geradeaus fahren, weil er nicht konzentriert ist. Ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Ich geh zwar raus und guck in ein riesiges schwarzes Loch und in aller Regel applaudieren und lachen die Leute. Dann fange ich an, klinke mich allmählich in den Abend ein, so die ersten fünf Minuten, aber man weiß nicht, wie es ausgeht.
Dr. Satori: Interessieren Sie sich für das Internet und was dort über Sie geschrieben wird?
Gerd Dudenhöffer: Ja, manchmal muss man es ja haben, aber in den Hotels ist das oft so schändlich, da hat man den Anschluss unterm Schrank oder im Schrank – das geht dann nicht, da ruft man dann an, dann kommt immer ein Techniker mit einer Kiste – am Schluss geht es doch nicht… Also es gibt Hotels, da setzt man sich an den Schreibtisch, steckt ein und es funktioniert. Aber hier (Freiburg, Dorinth Hotel) ist es nicht so, gut, ist jetzt auch nicht das modernste Hotel, aber ich hab kein Stecker gefunden – ich hab aber auch nicht gesucht… Ich will dem Hotel nicht unrecht tun, aber es ist so. In Baden-Baden war ein Stecker im Schlafzimmer unter dem Nachttisch. Ich setz mich doch nicht auf die Bettkante und geh ins Internet…
S. Stiletto: Was war denn die Intention, dass Sie Kabarettist wurden? Waren Sie Ihres erlernten Berufes überdrüssig?
Gerd Dudenhöffer: Also Grafik und Kabarett hat schon was miteinander zu tun – man geht mit Text um. Aber so verrückt zu sein, jeden Abend auf die Bühne zu gehen, das ist angeboren. 100%. Man kann nicht sagen, ach, was mach ich jetzt, mach ich Versicherungen, mach ich Kabarett – es muss einen was treiben, man weiß ja nicht, was einen erwartet, wenn man da rausgeht.
Dr. Satori: Zeichnete sich dies schon während der Schulzeit ab, haben Sie im Schultheater mitgespielt oder waren Sie der Klassenclown?
Gerd Dudenhöffer: Während des Grafikstudiums in München schon. Wenn da irgendwas war, war ich immer mit vorne dabei. Aber auch nicht mehr, wie jeder so ausprobiert hat. Es muss mir in die Wiege gelegt worden sein.
Dr. Satori: Ihr erster Auftritt, wo war der, können Sie sich noch daran erinnern?
Gerd Dudenhöffer: In Erding. In der Discothek Popcorn. Damals hatten Discotheken noch einen anderen Stellenwert. Da wurde auch Jazz, Theater und Kabarett gemacht. Seinerzeit hat eine legendäre Gruppe ein Programm gemacht, zu der ich einen guten Draht hatte. Jemand sagte zu mir, dass ich doch im Vorfeld was machen könnte, da gab es noch keinen Heinz Becker. Ich hab ja gesagt. Das ist auch so eine Sache, warum sagt man da ja????
Dr. Satori: … und wie ist der erste Auftritt dann verlaufen?
Gerd Dudenhöffer: Ich weiß nicht. Ich war besoffen… Das war kein Lampenfieber, das war schiere Angst, aber man hat sich erweichen lassen. Ach da war ich 17, 18. Gage war Bier und Brezel, aber das hat man dann gemacht. Zum gucken hat es gereicht, es ist schon etwas passiert…. (Gedankenpause) Aber dass man das dann später wirklich macht, damit hab selbst ich nicht gerechnet. Es passt auch nicht zu mir, weil ich überhaupt nicht mutig bin…
S. Stiletto: Sie haben ja reichlich viel Text – alles auswendig?
Gerd Dudenhöffer: Auswendig…
Dr. Satori: …auch keine Zettel oder so etwas?
Gerd Dudenhöffer: Mit so etwas will ich gar nicht erst anfangen. Ich nehme halt in Kauf, dass ich manchmal runter muss. Blackout. Ich hab keine Ahnung wo ich bin, weiß auch nicht, wie es weiter geht, auch nicht thematisch, muss runter und muss dann blättern. Aber ich nehme es in kauf.
Dr. Satori: Herr Dudenhöffer, wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihren heutigen Auftritt und bedanken uns für das Interview…






7. February 2012