Manis Konzerttagebuch aus Israel
9.4. Plishat Hotfey Ha’Gufot, Do you like my shoes, Zimmer Tel Aviv
So, mein erstes Wochende in Tel Aviv muss ordentlich eingeläutet werden, was eignet sich da besser als ein kleines, aber feines Punkkonzi? Yep! Der Namensgeber wird sich jedenfalls etwas gedacht haben, als er die ganze Chose Zimmer getauft hat, die Dimensionen entsprechen etwa einem solchen. Cool eingerichtet mit seltsamen Bildern an der Band, atmosphärisch nennt man das wohl, ich habe es nicht so mit blumigen Beschreibungen. Glaubt es mir einfach oder geht selbst hin. Sehr sympathisch die Büchse auf dem Kühlschrank, in die man Geld reinschmeißen konnte, um sich dann ein Bier aus selbigem zu pflücken. Nix Kontrolle, man glaubt an das Gute im Menschen, sehr schön, es würde doch funktionieren Kinder…
Das Konzert beginnt um 5 Uhr an einem Freitagnachmittag (entspricht in etwa unserem Samstag), so dass man nachher noch ausgiebig Zeit hat, sich dem Tel Aviver Nachtleben zu widmen (aber ja doch…). Als Erstes kletterte eine nirgends erwähnte Band auf die nicht vorhandene Bühne. War aber gut, vor allem der sagen wir mal manische (hihi, ne den Gag muss man nicht verstehen…) verlieh der Band einen äh manischen Anstrich. Danach Plishat Hotfey Ha’Gufot, fantastischer Garagenpunk mit einem abartigen Maniac von Sänger, der das Zimmer zu seinem Königreich umfunktionierte, der geneigte Besucher war schon gezwungen in Bewegung zu bleiben, um halbwegs verfolgen zu können, wo er sich gerade herumtobte. Wer’s nicht glaubt überzeugt sich selbst: http://www.myspace.com/plishat. Irgendein Schlaumeier sollte da schleunigst ne Tour organisieren, Platte ist meines Wissens unterwegs, das dürfte sich dann auch lohnen… auch hier sollte sich jemand um ne Lizenzpressung bemühen, wenn das nicht schon längst unter Dach und Fach ist. Es soll ja Menschen geben, die einen guten Geschmack ihr Eigen nennen…
Do you like my shoes schlugen etwas ruhigere Töne an, was aber nach dem Orkan, der gerade das kleine Wohnzimmer durchgefegt hatte, durchaus angebracht war. Nach einer weiteren, noch etwas ruhigeren Band versammelten sich Musiker erstgenannter Bands zu einer lyrischen Punksession. Was es nicht alles gibt… Fein. Ein paar erfrischende Gespräche mit Israelis auf Drogen später, machte ich mich dann auf, die Welt zu erobern. Stichwort und saubere Überleitung mit Schlusswort: Ich habe die ganze Welt bereist und so einen Club findest du nie wieder, meinte ein Besucher zu mir, ich lass dass dann einfach mal so stehen und verabschiede mich fürs Erste…
12.4. Ordnungsamt Prozdor Bar, Tel Aviv
Ja, das eine Lied, das ich noch mitgekriegt habe, war ganz gut – muss aber auch, ist ja aus Berlin. Man sollte sich vom „Hier fängt alles spät an“, dann halt doch nicht ganz in die Irre führen lassen… Nettes Hinterzimmer in einer Bar, in das ich schon gar nicht mehr reingepasst habe…
16. 4. Opiods, Zimmer Tel Aviv
Schon wieder im Zimmer, schon wieder ein Nachmittagskonzert. Tel Aviv birst echt über vor Veranstaltungen, ich komme hier kaum mehr nach… Also zuerst eine Band, die so einen Mix aus Elektronischer Musik und Punk äh spielten, ich glaube, dass nennt man dann Elektroclash. Nett… ich denke, das ganze Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, da dürfte durchaus etwas heranwachsen, mal gucken, was da noch auf uns zukommt. Ach ja, ja, ich bin stetig dabei, meinen Horizont zu erweitern…
Danach Opiods, die nicht umsonst The Cure, Joy Division, usw… in der Freundesliste stehen haben. Die düstere Musik stand doch einem deutlichen Gegensatz zur relaxten, ja fröhlichen Stimmung, in der das alles präsentiert wurde; kräftiges Organ die Sängerin… sehr gut. Wer sich die Richtung begeistern kann, hört über die üblichen Kanäle mal rein, ich habe es, wie schon erwähnt, nicht so mit blumigen Beschreibungen. Im Übrigen habe ich drei Bier getrunken während des Konzertes, ist ziemlich interessant, nicht wahr? Später am Abend dann noch mehr, jaja… Danach habe ich mit dem Betreiber noch einen Interviewtermin ausgemacht, dann ging es auch schon weiter, denn am Abend wollte ich
16.4. Not on Tour, The Testicles, Rogatka Bar Tel Aviv
den nächsten Event aufsuchen. In der relativ umstrittenen Rogakta Bar: Es gab hier mal eine recht heftige Debatte: In der Rogatka Bar werden keine IDF-Soldaten in Uniform bedient, was in Israel ein anderes Statement ist als anderswo, und dann zu Boykott-Aufrufen, usw… geführt hat. Vielleicht kann ich da bald mal mehr berichten.
Auf jeden Fall mal ne ziemlich coole Location. Ich glaube, bereits erwähnt zu haben, dass ich es nicht so mit blumigen Beschreibungen habe, Fotografieren ist ebenfalls nicht so meines, also baue ich halt mal wieder darauf, dass man mir das abnimmt oder selbst hingeht. Ich kam gerade rechtzeitig zu den Testicles, israelischer Streetpunk neuerer amerikanischer Prägung sage ich mal… Zur Orientierung nenne ich mal solche Bands, die The Unseen oder ähm ähnliche… ich kenne mich da nicht sonderlich gut aus. Auf jeden Fall fein. Das dazu passende Publikum war auch da, Nieten, Stachelhaare, ein paar Skinheads… yep.
Dann spielen Not on Tour zum Tanze auf, und ich weiß jetzt echt nicht, ob das alles meinem augenblicklichen Enthusiasmus geschuldet ist, endlich mal wieder was Neues und Überraschendes zu sehen, oder ob die wirklich so gut sind, wie ich sie, während ich das tippe, in Erinnerung habe – was für ein Scheißsatz! – aber die waren Klasse. Da waren Anklänge von kalifornischen Punk, sowohl älterer – genau die klassischen fantastischen wie Circle Jerks, Adolescent, und wie sie alle heißen – als auch neuerer Prägung mit einem ordentlichen Hardcore Einschlag versehen und eben diesem gewissen, nennen wir es mal israelischen Etwas versehen. Brachten auch eine Menge Leben ins Publikum, Crowd going crazy you know… Und schon wieder ein kräftiges wirklich gut anzuhörendes weibliches Organ… Platte folgt wohl bald auf einem amerikanischen Label, also Augen auf. Es war noch recht früh, also ab ins Tel Aviver Nachtleben… bevor ich mich dann bald wieder mit einem Bericht aus der heiligen Stadt wieder melde…
17.4. D9, Dirk Diggler, Concrete Facial, Uganda Jerusalem
Grindcore-Overkill in der heiligen Stadt! Aber beginnen wir, wie es sich gehört, am Anfang. Am Samstagabend nach Schabbat (der jüdische Tag beginnt am Abend und hört auch am Abend wieder auf) mit dem ersten Bus nach Jerusalem. Bei der Ankunft habe ich festgestellt, dass ich den eigens für diesen Anlass kreierten Notizzettel mit der Adresse des Clubs und Wegbeschreibung zu meinem designierten Pennplatz irgendwie verschusselt habe… Naja, zwei Telefonate später sind wenigstes die Adressen wieder da, die Wegbeschreibung war unwiederbringlich verloren, was bedeutet, dass ich gegen später gezwungen war, Taxi zu fahren, was mich nicht einmal unbedingt bloß aufgrund meiner eidgenössischen äh Sparsamkeit… ärgerte, ich hatte mich tatsächlich auf einen romantischen Nachtspaziergang durch die heilige Stadt gefreut… Naja, es wird schon irgendwie weitergehen…
Das Uganda liegt mitten in der Fußgängerzone in Jerusalem, wo das Leben nach der religionsbedingten Ruhepause schon wieder blühte… Übriges echt erstaunlich wie viele Menschen hier zu jeder möglichen Uhrzeit auf den Beinen sind… hätte ich in Jerusalem nicht so erwartet. Gefällt mir und auch ne verdammt nette Ecke. Zurück zum Uganda: Wohl die Adresse für Alternativ-, Subkultur, etc… in Jerusalem. Bar mit kleinem Comicladen, und einem kleinen aber feinen Konzertraum nebenan. Der Macher vom hiesigen Urban Decay Label hatte dann gleich daneben seinen Plattenstand aufgebaut. Ja, den Anfang machten Concrete Facial aus Israels Provinz – cooles Styling mit blutverschmierten Masken und Klamotten – , mit Grindcore, danach Dirk Diggler, die ebenfalls dem Grindcore fröhnten, abgerundet wurde der Abend durch D9, jaja ratet mal… Alle saugut, und nein, ich habe darüber nachgedacht, das hat nichts mit meinem Enthusiasmus zu tun, die sind wirklich alle saugut. Bei Konzerten geht es ständig drunter und drüber, alles tobt und springt herum, Publikum und Band sind nach einer Weile kaum mehr zu unterschieden, als Anhaltspunkt dienen allenfalls noch irgendwo herumhängende Instrumente. Ja, das mit den blumigen Beschreibungen schenke ich mir, wer sich dafür interessiert, der hört rein, man weiß ja wo… Danach wieder in die Altstadt, mittlerweile noch belebter, richtig schön, ja das hat schon was. Ich komme also doch noch zu meinem romantischen Nachtspaziergang, muss aber unvermeidlicherweise irgendwann auf ein Taxi zurückgreifen… Und während ich das tippe wird hier der Unabhängigkeitstag gefeiert, irgendwo in meiner Nachbarschaft laufen alte Pophits mit hebräischen Texten versehen, ich kenn die alle, aber komm auf Teufel raus, nicht drauf… Anyway, ich sehe mir das später mal an…






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haha, das trifft den nagel auf den Kopf !...
tolle bilder, insbesondere aus freiburg ......
ouuh mani, stimmt das gerücht dass du demnächst in tel aviv boxt?...