Nachts sind alle Katzen grau …

2. März 2010

Sinngemäß meinte einst der ehemalige Chefredakteur einer von uns allen geschätzten Satirezeitschrift auf meine Frage nach akzeptablen Werbeinhalten: „Wir haben überhaupt keine Berührungsängste, wir würden auch die Republikaner werben lassen, wenn’s Geld bringt und diese so dumm sind, ihren Zaster in unserem Blatt zu verschwenden. Es juckt uns nicht im Geringsten wer wirbt. Wir würden aber grundsätzlich jeden werben lassen. Da hab ich überhaupt kein Problem mit“. Ähnlich haben wir vom Pankerknacker das bisher auch gehandhabt. So war bis dato annährend jeder Anzeigenkunde willkommen, der uns ermöglichte den Scheiß, den wir von uns geben, kostengünstig zu transportieren …

Die derzeit heftig geführte Debatte um den szeneinternen Umgang mit der sogenannten Grauzonen-Problematik hat uns allerdings zu dem Entschluss gebracht, ab sofort keine Anzeigen mehr mit Labels und Veranstaltern zu schalten, die, in welcher Form auch immer, von uns nicht einschätzbaren Bands, eine Plattform bieten. Zumal wir weder Zeit noch Lust haben, uns den ganzen Tag im Internet herumzutreiben, um herauszufinden, welche unpolitische Band aus welchen Gründen auch immer korrekt, und welche es nicht sein soll. Fakt ist, dass redaktionsintern kein Schwein auf unpolitische Bands steht, deren Musik mag oder gar deren Texte gutheißt.
Ein Umstand der es uns ungemein erleichtert so gut wie auf alle Ficken-Oi!-Kapellen zu verzichten. Die Recherche, welche Bands rechtsoffen sind und welche gerade noch so durchgehen, überlassen wir lieber Leuten, die ihre Zeit gestohlen haben. Wir haben weiß Gott besseres zu tun und andere Interessensgebiete auf die wir unseren Fokus richten möchten. Insbesondere in unserem Baby, in dem es um Bands und Dinge gehen soll, die uns am Herzen liegen.

Fakt ist jedoch, dass der Pankerknacker sich ganz klar antifaschistisch sieht und es nicht billigt reaktionäres oder gar rechtsoffenes Gedankengut zu transportieren.
Unter Grauzone verstehen wir szenezugehörige Personen, Bands, Läden, Veranstalter und Fanzines, die sich selbst als unpolitisch bezeichnen, aber die Übergänge von „unpolitisch“ über „patriotisch“ bis „nationalistisch“ bewusst oder unbewusst offen halten. Dazu zählen wir auch Labels, Bands, Fanzines und Veranstalter, die keine Berührungsängste mit Grauzonen-Bands kennen, diese aktiv fördern bzw. mit diesen in irgendeiner Form zusammenarbeiten.
Der Begriff Grauzone wurde demnach gewählt, weil darin leicht verschwimmen kann, was nicht verschwimmen soll und keine klare Abgrenzung gegenüber reaktionären, rechtsoffenen Tendenzen und Gebaren gewählt wird.
Wir vom Pankerknacker wollen nicht dazu beitragen, dass reaktionäres, teils rechtsoffenes Gedankengut weiterhin unsere Szene unterwandert und sich darin ausbreitet. Antifaschismus sehen wir als Axiom der Punkszene. Wer sich darin bewegen möchte, sollte Antifaschismus als Grundvoraussetzung betrachten. Veranstalter, Bands und Fanziner, die aufrechte Antifaschisten als Links-Faschisten beschimpfen und antifaschistische Arbeit in den Dreck ziehen, haben in dieser unseres Erachtens nichts verloren. An und für sich unverständlich, ja schon fast traurig, dass an dieser Stelle explizit nochmals darauf hingewiesen werden muss.
In der Praxis sieht das so aus, dass wir notgedrungen auf einige ehemalige, teilweise sogar langjährige Anzeigenkunden verzichten müssen, welche Produkte von oder Veranstaltungen mit Bands anpreisen, die wir zur Grauzone zählen. Die Gründe dafür waren bzw. sind in aller Munde und sollten an dieser Stelle nicht noch mal wiedergekäut werden müssen. Unwissende mögen sich bitteschön in einschlägig bekannten Foren oder Diskussionsplattformen selbst ein Bild von der Sache machen.

Sicherlich hatten wir, bevor jene Fakten an uns herangetragen wurden, selbst vereinzelt grenzwertige Anzeigen am Start, was im Nachhinein durchaus als Fehler betrachtet werden darf. Sicherlich werden wir auch zukünftig nicht fehlerfrei bei der Anzeigen-Akquise bleiben, zumal undurchschaubare Querverbindungen und Verstrickungen allgegenwärtig und nicht zwingend offensichtlich zu sein scheinen. Dennoch ist es uns wichtig zumindest zu versuchen eine klare Grenzlinie zu ziehen. Und sei es auch nur in Form eines Anzeigen- bzw. Rezensions-Boykotts.
Wir haben keinen Bock mehr uns mit Schweigegeld schmieren zu lassen. Warum auch? Für eine handvoll Euro? Die für den Druck benötigte Kohle sollte auch bei korrekt fungierenden Anzeigenkunden zu holen sein. Ganz egal ob man mit deren Produkten konform geht oder nicht. Wichtig ist uns aber, dass sie keinen reaktionären bzw. rechtsoffenen Dreck bewerben.
Sollte das nicht mehr möglich sein, werden wir zukünftig wieder kleinere Brötchen backen und den Pankerknacker als schnuckliges DIY-Zine fortführen.
Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Es gibt immer Mittel und Wege den Laden am kacken zu halten. Selbst wenn man dafür die Todsünde begehen muss, kleine Features gegen ein wenig Anzeigenknete einzutauschen. Ein Kompromiss mit dem wir durchaus leben können, zumal wir solche Angebote lediglich Freunden des Hause oder unterstützenswerten Labels unterbreiten, von welchen wir Fan sind. Ein Kompromiss der nach Ausverkauf riecht? Denkt was ihr wollt. Bis auf ein paar wenige löbliche Ausnahmen läuft die Scheiße bei vielen anderen Zines kein bisschen anders ab. Bei denen wird auch nur mit Wasser gekocht. Geht’s aber ums Geld, hört der Spaß auf. Wer was anderes behauptet lügt sich selbst in die Tasche.

Wir, für unseren Teil, haben kein Interesse mehr daran uns weiterhin zur Marionette einer undurchschaubaren Szene zu machen, mit der wir absolut nichts gemein haben. Einer weiteren Rechtfertigung dazu bedarf es nicht. Schließlich ist das immer noch unser Fanzine, in welchem wir ausleben und abfeiern auf was wir Lust haben. Keiner von uns ist ernsthaft an stümperhaft vorgetragenem „Liedgut“ über Heimatliebe, Stolz, Uniformen-Kult oder sonstigem Firlefanz interessiert, weshalb sich dieser Verzicht als längst überfällig bewahrheitet. Alles andere wäre aus unserer Sicht inkonsequent. Hierbei sehen wir auch keinerlei Diskussionsbedarf. Was Außenstehende darüber denken, inwiefern diese haltlose Gegenargumente mittels durchschaubarer Polemik ins Spiel bringen, ist uns völlig schnuppe. Womit die Thematik für uns endgültig durch wäre …

Stattdessen wollen wir uns den schönen Dingen des Lebens zuwenden, den Frühlingsanfang genießen und dem Establishment fröhlich von unten zuwinkend den Mittelfinger zeigen. Allen voran Ursula von der Leyen, die auch dieses Jahr vergeblich darauf warten muss, uns fröhliche Arbeiterlieder anstimmend durch die Fabrikhallen ihres bekackten Landes kriechen zu sehen.

Lasst’s euch verdammt noch mal gut gehen und genießt die Sonne …
Vielleicht hilft ja der in euren Händen befindliche Fetzen ein wenig dabei. Würde uns überaus freuen …
Gute Unterhaltung, herzlichst,

Stefano Stiletti und die Schergen der Pankerknacker-Redaktion

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