Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh
25. November 2009
Der Wilde Westen fängt gleich hinter Verl an, denke ich noch, als ich aufwache. Es sind Erinnerungsfetzen, die da hoch schwirren. Es ist der Angstschweiß, der auf meiner Stirn perlt. Ein Schuss durchschlägt die Nacht. Ein Bullrider hat kurzen Prozess gemacht. Wenn ich jetzt ne Rothaut wäre, wäre mein Leben keinen Schlürfschluck in einem verwaisten Whiskeyglas mehr wert. Doch stattdessen trage ich eine Jeansweste und falle unter Cowboys kaum auf. Ich bin nicht rasiert und begutachte im frisch polierten Chrom der Trucks meinen Dreizehn-Tage-Bart. Nur die eiserne Jungfrau auf dem Kühlergrill sieht besser aus. Dann bricht die Nacht ein und wir lauschen Countrymusic und trinken. Am anderen Morgen wache ich auf. Trocken, im Zelt. Der Typ mit dem Hundenamen wacht auch auf. Unter meinem Auto, wo er sich hin gerettet hat, als sein Schlafsack weggeschwemmt wurde.
Der Tag bricht an und wir gehen auf die Suche nach Dicken Bohnen. Nichts zu finden. Dafür kaufe ich eine halbe Kuh im Brötchen. Südstaatenflaggen wehen über den Campingplatz und so langsam ziehen die Horden des Wilden Westens in Richtung Ostwestfalenhalle und warten auf Gunter Gabriel und Truck Stop. Es wird ein guter Abend werden, ein sehr guter. Gunter spielt nur Hits, Hits, Hits und ich denke, dass er zwar ne arme Fackel ist, aber das Herz auf der Zunge trägt. Sagt man doch so, oder? Dann die Maschen-Stars. Deutschlands beste Band, da lasse ich keine Diskussion zu. Sie spielen ein zwei- oder dreistündiges Set, prall gefüllt mit dem Besten, was die Band zu bieten hast. Kein Hit wird vermisst. Selbstironisch, locker und sympathisch. Und das in einem Alter, da möchte ich doch schon gerne die Radieschen von unten schmecken. Auch wenn ich dann früh aus dem Saloon verschwinde, um eine Mütze Schlaf zu finden, weiß ich doch, dieses Festival werde ich wieder besuchen.
Mika
27. Januar 2010
Guter Mann!
Das nächste Mal bin ich wieder dabei!