Ein Sommermärchen: Als wir nach Opladen fuhren und den besoffenen Mönch trafen

27. November 2009

Ja, so geschah es denn. Das ereignisträchtige Wintermärchen vom letzten mal hatte ich schon fast vergessen und saß in der Bahn nach Köln, um mich dort konspirativ mit dem Rockstarkollegen Polka Paule von Supernichts (kurz: David) zu treffen und ihm seine seit langem verschollene Lederjacke wiederzugeben, die aufseltsamen Umwegen, die ich selber nicht mehr nachzuvollziehen vermag, in meine Hände gelangt war.
Spektakulär wird’s heut bestimmt nimmer, dachte ich. Ich hatte wenig Bier dabei und es war auch kein Konzert angeküdigt und Kneipen pflege ich zu meiden, wenn es sich denn einrichten läßt. In Köln angekommen teilte mir David mit, Knochenclaus würde auch noch erscheinen und nachz kurzer Warterei waren wir auch zu dritt. Claus erschien in Bestlaune, verkündete seit fünf Uhr am Saufen zu sein und schlug vor, nach Opladen auffe Bierbörse zu fahren. Das natürlich nicht nur wegen des Bieres oder den tollen Leuten da (die kann man nämlich, sämtliche Vorurteile sollten sich bestätigen, völlich inne Tonne treten), nein, es spielte eine Band namens Still Collins, was sich natürlich verdächtig nach einer Phil Collins – Coverband anhörte. Äußerst interressant! In Opladen auf dem Weg zur Bierbörse fragten wir jeden, mit Schweißperlen der Erregung auf der Stirn, ob denn Still Collins noch spielen würden. Wir ernteten fragende Blicke oder besoffenes Geprolle. Auf der Bierbörse wurde uns dann ganz schön mulmig: Es war so ekelhaft voll. Und das mit derer Art Leuten, wie sie einem jeden Tag auf den Sack gehen, die Einheitsmass halt. Es waren so viele, daß noch nicht mal die Möglichkeit bestand, Punkrockkönig Holgi (siehe Interview im Heft) ausfindig zu machen, was normalerweise überhaupt kein Problem ist. Entschuldigung, haben Sie vielleicht einen großen, dicken Punker mit Iro gesehen, der mit Ihnen ficken wollte? Keine Chance! Und überhaupt sah alles so gar nicht nach Live Musik aus.
Doch dann eröffnete sich uns am Ende unserer Hoffnung das Festzelt. Sehr groß, mit offenen Seiten. Und dann hörte man es: You’ll be in my heart…lalablabla, und Claus war glücklich. Tatsächlich eine Phil Collns – Coverband. Gnadenlos! Abgesehen davon, daß sie die gequirlte Scheiße eins zu eins perfekt nachspielten, mit programming und allem was dazugehört, vor allem einer Stimme bei der man sich nur umdrehen brauchte und schon glaubte man, den alternden Multimillionär auf der Bühne abschwuchteln zu hören, war es unter aller Sau. Aber genial! Der Gitarrist mit einem Seidenmantel, der an den Seiten jeweils einen Silberglitzerstreifen aufwies und von den Ellenbogen abwärts ebenfalls glitzerte, darunter eine schwarze Lederhose und ein ebensolches Hemd. Wow! Der Bassist überraschte in schwarzer Seidenhose gepaart mit einem Lila Satinhemd. Der Bass hing ihm, wie es sich für Warmduscher gehört, unter demKinn. Um so erstaunlicher, daß er damit beim Showdown diese unglaublichen Steve Harris – Posen hinbekam. Den Schlagzeuger sah man hinter dem Riesenkit natürlich nie, außer am Ende, da kam kurz die Zigarette und die Sonnenbrille zum Vorschein. Eigentlich cool. Die Beiden Tastenmänner versteckten sich hinter schwarzen Keyboards in schwarzen Klamotten und der Sänger sah aus, wie ein Sanyasin aus dem Krishna – Tempel, also im weißen Strampelanzug. Immer betrunkener werdend feierten wir einen Hit nach dem anderen ab (es wurden sogar einige Genesis – Nummern zum besten gegeben) und ich kam aus dem Lachen und lauthals applaudieren nicht mehr heraus. Die Tpen namen sich einfach zu ernst. Irgendwann fingen fingen die Typen hinter uns an, Claus in die Kniekehlen zu treten und behauteten, er würde ihnen andauernd auf die Füße treten, obwohl er die ganze Zeit wie ‘ne eins gestanden hatte. David legte ihnen nahe, sich doch woanders hinzustellen, und da kam der Klops: „ Wir waren aber zuerst hier!“. Wir waren aber zuerst hier!!!! Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Wenn ich das nächste mal auf einem Konzert bin, sagen wir mal im Engelshofkeller, werde ich auch so argumentieren. Daß ich da nicht früher drauf gekommen bin.. Jedenfalls fühlten sich auf einmal auch die Security – Kerle, die hier genauso wie überall vollkommen fehl am Platze waren, für TERRORCLAUS verantwortlich: „Pass auf, ey! Hinter dir stehen auch Frauen. Du fliegst gleich hier raus!“. Aha. Rausfliegen. Aus einem Zelt mit offenen Seiten und bestimmt 3000 Mann Kapazität, in dem ein Mob von lässigen 30 – 40jährigen begeistert ihre Heldenkopie abfeierten. Soso, jedenfalls war es irgendwann zu ende und die Situation wurde brenzlig, also sahen wir zu, daß wir die letzte Bahn bekamen.
Auf dem Weg zurück durch das Labyrinth von ekligen Leuten und Bierbänken trafen wir aber zufällig einen Mönch. Er schien ziemlich breit zu sein und bot uns ein belgisches Klosterbier sowie andere komische Bierperversitäten an. Außerdem stand er in einem Faß. Er war aus Kunststoff, lebensgroß und in einem Eisensockel festgeschraubt. Spontan entschieden wir uns, den Bruder auf ein Bier mit nach Köln zu nehmen. Und der Kerl war schwer. Scheiße, Mann. An einer Kreuzung fuhren dann die Bullen auf uns zu und meinetn, den Diebstahl verhindern zu müssen: „Wat ist dat denn, hä?! Wat soll dat?!“. – „TERMINFRACHT!“, trällerte ich ihnen entgegen, und schon fuhren sie unversehens weiter, um sich bestimmt um ähnlich wichtige Dinge zu kümmern. Wegen dem Scheißschweren Mönch verpassten wir dann die Bahn. Für den Spaß, den einige in der Bahnhofskneipe lungernde Rentner an uns hat2ten, presste ich den schnellsten Weg nach Köln aus ihnen hinaus. Mit dem Taxi nach Leverkusen – Mitte und von da aus die S – Bahn. Den Mönch bogen wir zurecht und nahmen ihn mit ins Taxi.
Im Kölner Hauptbahnhof setzte ich mich in ein Schließfach, trank weiter Bier, während Claus dem Mönch ziemlich lange und nicht zu knapp die Fresse polierte oder beeindruckende Karate – Tritte an ihm ausprobierte, die er alle mit besoffenem Grinsen und Engelsgeduld ertrug und David sein Fahrrad holte. Wir entschlossen uns, bevor wir zu Claus fuhren, noch ein Erinnerungsfoto mot Mönch im Passsbild automaten zu schießen, was sich ein wenig schwierig gestaltete, da wir zu dritt plus dem Lebensgroßen Mönch in die Kabine mußten. Das Foto trägt heute jeder von uns seinem Portemonaie.
In der U – Bahn stellte Claus den Mönch in den Gang und fuhr damit fort, ihn zu verdreschen, was zwei Türkenprolls anscheinend auch ziemlich witzig fanden: „Ey kumma! Der haut den Typ voll in der Fresse ey! Ey Typ, darf isch auchma?“. Na klar durfte er. „Ey darf isch auch kaputt machen ey?“. Na klar durfte er. Was wir nicht geschafft hatten, schaffte der bestimmt auch nicht. „Ey pass auf ey, geb isch korrekten Lowkick und BAAM!“war der Mönch in der Mitte durchgebrochen, so daß uns jetzt der untere Teil fehlte, was gar nicht so schlimm war, denn so ersparten wir uns den Großteil an Gewicht, den der Eisensockel ausgemacht hatte. Jedenfalls konnten die Prolls gar nicht genug kriegen und flehten uns, nachdem wir alle am Neumarkt ausgestiegen waren, förmlich an, noch ein bischen weitermachen zu dürfen.“Ey, kuck ey! Der Typ grinst imma noch. Ey darf isch noch eine Kopfnuß ey? Nur eine, bitte!“ Natürlich gewärten wir ihm den Wunsch und verkniffen es uns , lauthals loszulachen, als er und sein Kumpel nacheinander mit aggressiven Gesichtsausdruck auf die Mönchshälfte losgingen, die wir ihnen hinhielten, ihr nacheinander ‘ne Kopfnuss verpaßten und sich danach wohlwissend, es ihm richtig gegeben zu haben, abklatschten. Gott, was haben die sich gefreut, doch noch jemanden gefunden zu haben, dem sie in die Fresse hauen konnten. Was hatten wir ein Glück, daß wir den Mönch dabei hatten. So stramm, wie wir waren, hätte es sonst warscheinlich uns erwischt. Wehrlose Besoffene sind ja immer ein gutes Ziel. Irgendwann meinten die beiden dann abhaeuen zu müssen und verabschiedeten sich herzlich von uns: „Ey du bis korrekt ey. Wie heissdu? Isch bin Daniele ey!“. Claus (spricht den Namen französisch aus): „Alles klar – Danielle..“ – „Ey waas ey? Bin isch schwul oder was ey? DANIELE, mann. Original Italiano – Power ey! Also machts gut ey! Ihr seid korrekt…“. Ich hatte also falsch gelegen mit meiner Vermutung, es wäre ein Türke gewesen. Bei Danieles Kumpel allerdings nicht, der hieß nämlich Javuz. Ey.
Und dann schallte unser Lachen über den ganzen Neumarkt. Von da aus breitete es sich über  Schildergasse, Hohe Straße, Ringe, Nippes Deutz, Ehrenfeld, Porz, Lindenthal über ganzb Köln aus und ich bin mir sicher, Javuz und Daniele haben es nicht gehört. Bei Caus lachten wir immer noch, hörten Eddie Money und tranken die letzten Biere.
Den Mönch stellten wir ins Küchenfenster.
Caddy

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7. February 2012

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