Nagel Russel – oder warum sich die Blöden Onkelz in Muff Potter umbenannten

27. November 2009

Jaja, mein Bike, welches mir im übrigen ständig vor allem finanzielle Sorgen aufgrund horrender Reparaturkosten bereitet, ist so etwas wie eine Kommunikationsbrücke zu Vollprolls, Normalos, Deppenkäppchenträgern und sonstigen Intelligentsbolzen. Unter normalen Umständen, sagen wir jetzt mal der Einfachheit halber, wenn ich mit ner Dose Bier durch die Stadt schwanke, spucken diese sagenumworbenen Kreaturen im Vorbeigehen nur allzu gerne vor mir auf den Boden, zeigen unverschämter weise mit dem nackten Finger auf mich und liegen unbewusst falsch in der Annahme, dass ich nur weil ich anders aussehe als sie, etwas Verabscheuendwertes sei. Natürlich seh’ ich nicht nur anders, sondern und das ist viel gewichtiger, um Längen besser aus. Klarer Fall. Das weiß ich, das weißt Du, nur diese Heinis blicken es einfach nicht. Was mir aber eigentlich nur recht sein kann. Nicht auszudenken, was in mir vorginge, wenn mich diese Typen mögen würden. Über den Musikgeschmack, die Werte und Sonstiges was nen ordentlichen Punkrocker ausmacht, brauchen wir in diesem Zusammenhang erst gar nicht reden. Das wäre in etwa so wie Haschisch nach Amsterdam zu tragen oder Ronaldo mit Harry Koch zu vergleichen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten! Aber darum soll es hier gar nicht gehen.
Jedenfalls sprechen mich jene Helden des Alltags, die sich als Zukunft von Deutschland ausgeben, hin und wieder an, wenn ich mit meinem kleinen Wirbelwind auf zwei Rädern unterwegs bin und von Zeit zu Zeit ne wohlverdiente Rast einlege.
Laufen sie mir dann tatsächlich über den Weg, pfeifen sie bewundernd arschkriechend durch ihre verfaulten Zähne und meinen was ich da doch für ein tolles Gerät unterm Arsch hätte. Ziehe ich anschließend beiläufig den Helm ab und bringe somit meine Punkrockerfresse zum Vorschein, reiben sie sich verdutzt die Augen oder schütteln ungläubig den Kopf. Sie können es einfach nicht fassen, dass ein Assi wie ich statt mit nem verwahrlosten Bahnhofsköter mit so ner Maschine Gassi geht. „Wie kommt der Dreckspunker an so ein Motorrad? Das hat der doch bestimmt geklaut!“, geistert es ihnen wohl durch den Kopf. Und das obwohl heutzutage doch jeder Techno-Heini, jeder Fashion-Trottel, oder Viva 2-Fan versucht so auszusehen wie wir es schon seit Jahrhunderten um genauer zu sein seit 77 vor Christi tun. Sid sei Dank bleibt es zumeist beim Versuch. Vielleicht gibt es da ja trotz der unzähligen Plagiaten den kleinen und feinen Unterschied. Zu hoffen wäre es.
Auf was ich aber eigentlich hinaus will ist die mir selbst etwas unerklärliche Tatsache dass ich das Gefühl, von solch geistigen Bergarbeitern bewundert zu werden insgeheim genieße. Warum? Keine Ahnung. Fakt ist dass ich mich diesem Geschmeiß in jeder Lebenslage hoch überlegen fühle und dazu nun wirklich keine Statussymbole brauche. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Idioten sich mit ihrem Verhalten quasi mit ihren eigenen „Waffen“ schlagen.
So nen Scheiß wie „Du bist wenn du hast“ wurde schließlich von Deppen ihrer Sorte aus Mangel eigenen Profils erfunden. Die denken doch tatsächlich damit wäre es ihnen möglich ihre Schwächen nichts zu sein, nichts zu können und schon gar nichts zu peilen ohne weiteres zu übertünchen. Das klingt zwar lächerlich, doch das dumme daran ist , dass sie inzwischen mit dieser Herangehensweise tatsächlich Erfolg haben. Längst hat es sich eingebürgert, dass solche Dumpfbacken durch ihre mit Reichtum erkaufte „Austrahlung“ eine gewisse Intelligenz oder gar nen ordentlichen Charakter von der Allgemeinheit um nicht zu sagen Gesellschaft attestiert wird.
Und da sie alles bewundern was ausdrucksstarken materiellen Besitz besitzt, müssen sie auch den scheiss Assi im zerschlissenen Punker-Outfit mögen, da führt dummerweise nun mal kein Weg daran vorbei.
Täten sie das nicht bewiesen sie auffällige Inkonsequenz und würden sich dadurch selbst mitsamt ihren verlogenen „Werten“ (Werte, ha!) in Frage stellen. Und wer außer ein paar Zynikern macht sich schon selbst über seine Ideologien lustig oder stellt diese gar in Frage. Das wäre Hochverrat und dafür gehört man nicht erst seit dem guten alten Adolf an den Marterpfahl!
Und jetzt frage ich euch, meine Damen und Herren, ist das nicht ärmer als das Amen in der Kirche?
Nun aber wieder zur Sache Schätzchens:
Jedenfalls war ich gestern dabei Motorhead, wie mein Moped bezeichnenderweise heißt, auf nen Hänger zu schieben, was ich aber aufgrund dessen 260 Kilo Lebendgewicht und der Tatsache dass meine Kabelarme zwar stark in die Tastatur hauen können, aber nicht allzu hart in die Fresse, nicht allein hinbrachte. So latschte ich kurzerhand zur unweit gelegenen Möbelfabrik ins Lager, fragte nach nem knackigen, starken Helfer für ne Minute und bekam auch prompt so ein Kerlchen mit der Aussicht auf nen Lolli und zwei Glasperlen Richtung Tatort gelockt.
Als wir an „Hardcore 704“ (so heißt mein Pogomobil) angelangten, an welchem der Motorrad-Hänger befestigt war, dröhnte aus dessen Konserve gerade Muff Potters ‚Bordsteinkantengeschichten’. Natürlich fiel dem Kerl, dem die Dummheit quasi schon auf die Stirn tätowiert war, nix besseres ein als mich zu fragen ob das „die neue Onkelz“ wäre. Obwohl ich ihn nur zu gut verstanden hatte fragte ich noch mal nach, was er den meine. „Isch des net die neue Onggels in Deinem Audddo?“. „Nö“, meinte ich, „aus dem Alter bin ich raus und außerdem sind die mir inzwischen viel zu links! Die spielen doch mittlerweile sogar bei den Kommunisten auf Antifa-Veranstaltungen“, herrschte ich ihn böse an. „Aber die machen doch gute Texte“ entgegnete er mir leicht irritiert stotternd. „Gute Texte hin oder her, links bleibt links. Wenn wir alles was gut ist von den Roten übernehmen würden, könnten wir unseren Laden, der nun mal Deutschland heißt, entgültig dicht machen“. Damit brach wohl eine Welt und der Mythos einer vor Pathos triefenden Band, an deren Texten er sich jahrelang wie um den letzten Strohhalm klammerte, in ihm zusammen. Mit verdutztem und ihm ins Gesicht geschriebenen Nullblicker-Ausdruck zuckte er hilflos mit den Schultern und meinte dass ich damit auch wieder recht hätte. Sprachs, schob mein Motorrad auf den Hänger, bedankte sich untertänigst für seinen Lohn in Form eines Coca-Cola-Lutschers und nahm den Job als Handlanger im Möbellager, für den er wahrscheinlich auch noch zu blöd ist, artig wieder auf.

Opa Knack

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7. February 2012

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