Zum Kotzen, dieser Bela …

4. Dezember 2008

So saßen wir also gemeinsam vor dem Backstagebereich und warteten darauf zum Interview abgeholt zu werden. Welcher Idiot hatte eigentlich mal die Theorie aufgestellt Nervosität würde sich durch Alkoholkonsum senken? Fiel mir nicht mehr ein. Ich gab mir Mühe meine Nervosität zu senken. Mit einem einzigen Ergebnis, Nervosität blieb und die Trunkenheit folgte ihr auf flotten Sohlen.

Als es dann schließlich soweit war und wir zu Bela konnten, ging alles ganz flott. Wie es so ist wenn man nervös ist bekam ich keinen Muckser raus, installierte alle Geräte zügig und knipste ein paar Bilder, während der talentierte Interviewer und Herausgeber dieser Zeitschrift Bela zum Reden brachte. Im Anschluss – das Konzert. Vor dem Eingang trafen wir noch die Dritte im Bunde,  jetzt versprach der Abend endgültig spaßig zu werden. Eine zuerst erfrischende später nervende Mischung aller Sorten Mensch tummelte sich hier und die Versuchung war einfach zu groß sich zwischen diesem überwiegend unglaublich spießig und langweilig aussehenden Publikum völlig und exzessiv daneben zu benehmen. Noch dazu, wenn man jemanden an seiner Seite hat, dem ebenfalls nichts zu peinlich ist, vielleicht kann sich der ein oder andere Leser hier mit der Situation identifizieren. Man steigert sich bis zur Explosion in Unfug hinein und wenn man nicht gebremst wird eskaliert es. Es kam niemand um uns zu bremsen. Nachdem wir einen Kübel fanden welcher normalerweise teure Sektflaschen und Eiswürfel umschloß und all unser schwer verdientes Geld zur Neige ging machten wir es einfach wie man es uns schon als Kind beibrachte – wir nahmen den Eimer und gingen schnorren. Tatsächlich bekamen wir 1-2 Euro zusammen, aber was konnte man schon mit so einem Ergebnis anfangen. Unser Durst war größer, als dass man ihn mit 1-2 Euro hätte stillen können. Eine neue Idee musste her. Die Straßenkünstler auf der Straße haben auch immer mehr Kohle in ihren Musikkästen als die bettelnden Sitzwackler auf der Ka-Jo in ihren McDonalds-Bechern. Man muss den Menschen was bieten für ihr Geld. Die Idee musste zündend sein und erfrischend. Es musste erheiternd wirken aber trotzdem kulturell sein. Spontan klemmte sich einer von uns vor unserem nächsten Publikum den Kübel zwischen die Beine, der andere kniete sich davor und in dieser historischen Stunde wurde das „Showkotzen“ ins Leben gerufen. Mit Furcht erregenden Tönen und gestelltem Gewürge kotzten wir uns in die Herzen unserer Zuschauer. Und ihr werdet’s nicht glauben, im Nu hatten wir die Kohle zusammen. Liebe Punker der Ecke Bertholdstraße/Uni, Patent ist schon unterwegs und die Hoffnung, welche in den letzten Sätzen in euch geweckt wurde, durch diese einzigartige Idee die schnelle Kohle zu machen, könnt ihr sofort wieder verwerfen. Denkt euch was Neues aus, der Körper hat ja noch andere Öffnungen. Schließlich kam Bela zur Autogrammstunde. „Wir wollen kein Autogramm, wir brauchen Geld!“ Bela sah uns verblüfft an. Hähä, gerade ich, die vorher kein Wort rausgekriegt hatte, der musste denken ich hab nicht mehr alle Latten am Zaun. Schließlich zog er aber doch sage und schreibe 1,50 Euro aus seiner Sacktasche und schnippste uns die Kohle in den Eimer.  Wow, einen Euro fünfzig, das kann man sogar noch tippen ohne sich zu verschreiben und das für jemanden der seinen beneidenswerten finanziellen Status in mehr als nur einem Lied abfeiert. Dafür sollte es eine Extrashow geben. Ich also flugs den Kübel zwischen die Beine geklemmt und meine wundervolle Begleitung kotzte, wie sie noch nie gekotzt hatte. Besser als die tausend Male zuvor. Belas Begeisterung hielt sich in Grenzen aber er kam immerhin um seinen Tisch herum um sich das Schauspiel aus nächster Nähe anzusehen. Die Mädels vor uns blieben stehen und schauten sich die Szenerie mit empörten Blicken an. Als sie zuvor an der Reihe waren bettelten sie Bela um ein Autogramm an, himmelten ihm hinterher und wurden puterrot, während sie ihn permanent verlegen anlächelten wie sich das für anständige Groupies gehört. Dann kamen wir. Leider gibt es davon kein Foto, da der Fotograf selbst zu betrunken war um auf den Auslöser zu drücken. (Na hör’ ma, ich bin Punkrocker und kein Intellektueller, welcher mit so einem neumodischen Krimskrams umgehen kann/Stiletti). Die Kamera tat sich auf und wieder zu, es zoomte wie verrückt, nur einen Knipser gab es nicht. Eine Woche später in Karlsruhe, bei der Fortsetzung des Interviews ging ich spontan auf Belas Leibgardist zu und fragte ihn nett und freundlich: „Und, gibt der Bela heute wieder ne Autogrammstunde?“ Ich lächelte ihn unschuldig an. Seine Antwort: „Ja, aber wenn du noch mal so n Scheiß machst wie letzte Woche schmeiß ich euch alle raus.“ Shit, ich musste schnell meine Leute finden, die waren gerade auf dem Weg zu Bela um ihn zu fragen ob er ihnen ein altes, durchgeweichtes Schnitzel signiert … [Miri]

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6. February 2012

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