Obacht Schleichwerbung

24. November 2009

Zerstört und mürbe kam ich von meiner Nachtschicht in der Gasfabrik nach Hause als, wie sollte es anders sein, das Telefon relativ verheißungsvoll läutete. Am anderen Ende der Leitung war Roland Peter, ein abgehalfterter Musiker und zweitklassiger Schreiberling.
Da mein Portemonnaie sowie mein Kühlschrank leer, mein Briefkasten hingegen mit Mahnungen und Erpresserschreiben prall gefüllt war, legte ich nicht sofort auf, sondern ließ ihn mir seinen Plan unterbreiten, der, wie er mir mitteilte, einen Schlüssel zum unbegrenzten Reichtum und Wohlstand beinhaltete.
Mit einer schlecht recherchierten Musikzeitschrift namens Großmasturbator konnte Roland in der Vergangenheit ein kleines Vermögen anhäufen, das wusste ich, aber von seiner einst so goldenen Nase ist ihm wohl nur noch ein bleierner und verschnupfter Zinken geblieben.
Den ganzen Mammon in nur wenigen Monaten durchgebracht, wahrscheinlich mit Actionfiguren und Sammelkarten.
Er brauchte Geld.
Von der Nachtschicht schlaftrunken sind mir nur wenige Satzfragmente im Kopf geblieben: “den schnellen Euro machen”, “abkassieren”, “die Kohlen einfahren”, “den Kuchen abräumen”, usw.
Als ich am nächsten Tag aufwachte und mich vergewisserte, dass jene nocturne Unterhaltung kein Traum, womöglich verursacht durch den Verzehr von alten Zeitungen und Wanderstiefeln war, schnürte ich mein Bündel und trat die Reise ins ferne Augsburg an.
Der Plan war einfach und doch simpel. Eine Firma, die sich im Vertrieb von Tonträgern und Textilien stark machen würde.
In seinem einst prunkvollen, urbanen Landsitz besprach Peter mit mir die Einzelheiten und Geschäftsbedingungen. Da er Geschäftsführer und ich nur stellvertretender Geschäftsführer sein würde, schien mir eine Gewinnbeteiligung von 19% nur fair zu sein.
Aber wer profitieren will, muss zuerst investieren und da lag das Problem; Peter war nicht nur pleite, sondern hatte mit aberwitzigen Spekulationen am internationalen Kaffeemarkt negatives Geld gemacht.
Ich hatte noch ein paar hundert Euro vom Verkauf eines stufenlos verstellbaren Pflegebettes meiner erst kürzlich verstorbenen Oma und unser Plan, 1 Cent Münzen einzuschmelzen, da der Kupferanteil in einer 1 Cent Münze mehr wert ist als 1 Cent, erwies sich als langwierig und gesundheitsgefährdend.
Mit Hustenkrämpfen lagen wir in Rolands, mit grünen Nebelschwaden durchzogener Wohnung.
Was nun?
Wir beschlossen die Finanzoptimierung auf den nächsten Tag zu verlegen und unser Heil in Müßiggang und  Zerstreuung zu suchen.
Als der Schnaps und das Opium uns träge gemacht hatten, legte Roland noch eine, selber im Fernsehen aufgenommene, Kassette mit gefühlten 1000 Folgen Knight Rider ein. Ich konnte nicht schlafen, war aber dennoch gefangen in einer apathischen Starre immer in den Fernseher blickend. Bewegungsunfähig eigeschlossen in einem Hasselhoff-Nexus, in jenem eine Erdenminute sich anfühlt wie 100 Menschenleben. Als mich nach Äonen der Schlaf endlich in seine Arme nahm, träumte ich natürlich von nichts anderem als vom schönen David Hasselhoff und seinem Wunderauto; oder war ich doch noch wach?
Am nächsten Morgen war ich derart gemartert, halb erfroren und den Tränen nahe.
Peter ging es da nicht viel anders. Er war ebenfalls auf einem unheiligen Knight Rider Trip hängen geblieben.
Das waren ja beste Voraussetzungen, um eine gewinnorientierte Import/Export – Firma zu gründen!
Mit meinem Erbe und dem Pfandgeld von Peters Flaschenarmada machten wir uns auf ins örtliche Spielcasino, wo über Nacht aus armen Schluckern Millionäre und aus armen Schluckern noch viel ärmere Schlucker gemacht werden.
Fortuna war uns gnädig und nach zwei Runden “alles auf schwarz” verließen wir die Hallen des sozialen Aufstiegs und Niedergang mit rund 2000 Euro in bar!!!
Nur durch eiserne Disziplin und unsere obsessive Mission vor Augen schafften wir es, unser eben erst erwirtschaftetes Guthaben nicht für, die dort überall herumstehenden, Thai-Huren oder irgendwelche Superhelden Comics rauszuschmeißen.
Der Erfolg klopfte an!
Und ob er sich nicht an der Tür geirrt hatte wird sich zeigen, denn schon manch schlauer Student hat im Textilbusiness gehörig in die Brennnesseln geschissen. Aber wenn sich zwei gnadenlose Finanzstrategen, skrupellose Abzocker und mondäne Müßiggänger wie Roland und ich zusammentun, ist der Erfolg Programm und die Vermehrung von Kapital ein unumgänglicher Faktor in einem internationalem Glückspiel auf höchster Ebene.

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