Warhammer 40.000: Dawn Of War 2

Warhammer 40.000: Dawn Of War 2

15. Juni 2009

Das Interessante am Universum der Warhammer 40.000 Spiele ist die ihm zugrunde liegende Dystopie: Die Menschheit ist hier nicht wie üblich, moralisch auf der sicheren Seite, mit der Verteidigung ihrer Freiheit beschäftigt, sondern hat im Jahr 40.000 ein aggressiv expandierendes Imperium errichtet, dessen Bewohner ihren Imperator als Gott verehren und sich permanent in blutigen Kriegen mit verschiedenen ausserirdischen Völkern befinden. Das Vorhandensein z.B. einer Inquisition und die gesamte Ikonographie und Sprache verpassen dem Konzept eine fesselnde Atmosphäre, eine Mischung aus finsterstem Mittelalter und High-Tech Science-Fiction.
In Dawn Of War 2 übernehme ich in einem Echtzeit-Strategiespiel das Kommando über eine Kampfgruppe der  Space Marines, einer Eliteeinheit des Imperiums der Menschen; aufgebaut nach dem Vorbild mittelalterlicher Ritterorden und genetisch manipuliert um effektiver meucheln zu können.

Vor dem Start muss ich allerdings, falls noch nicht vorhanden, einen Steam- und einen Games for Windows Account erstellen, dadurch gestaltet sich der Installationsprozess eher langwierig; allgemein bin ich kein Freund ständiger Registrierungen wegen jedes Furzes, die Publisher scheinen das aber anders zu sehen und sitzen leider am längeren Hebel… also Augen zu und durch.
Nachdem diese Hürde genommen ist kann ich das gelungene Intro bestaunen, es führt gut in die Stimmung des Spiels ein, stellt einige beteiligten Rassen vor und ist generell sehenswert und pädagogisch wertvoll:

Kurz darauf finde ich mich nach einer weiteren kurzen Sequenz direkt in der Anfangsmission wieder, die wie üblich in die Steuerung der Einheiten einführt. Zu Beginn bin ich mit lediglich zwei Trupps unterwegs, später kommandiere ich bis zu vier gleichzeitig.

Von Anfang an fallen zwei Dinge auf:
Die Grafik ist großartig umgesetzt und sehr detailliert, Explosionen sehen phantastisch aus, Gebäude werden von einschlagenden Granaten zerstört, Körperteile fliegen durch die Luft und auch im größten Gemenge fallen immer wieder Details auf.
Die grosse Überraschung jedoch ist die Änderung des aus Echtzeitstrategiespielen bekannten Spielprinzips. Hier findet kein Basisbau, kein Ressourcensammeln und keine Einheitenproduktion statt… das wurde andernorts heftig diskutiert, ich finde es absolut gelungen da dadurch die Missionen spannender werden: ich muss meine Einsätze gut planen um mit meiner handvoll Marines gegen Gegner in grosser Überzahl bestehen zu können.
Ork Boss

Ich lasse meine Trupps vorrücken, schicke sie dabei hinter Deckungen (je nach Deckungswert farblich markiert), setze ihre Spezialfähigkeiten ein und lasse sie Nachschub aufsammeln. Die Gefechte mit den auftauchenden Ork-Gruppen verlaufen sehr taktisch auf mittlere Distanzen oder im Nahkampf, in echte Bedrängnis komme ich dabei (in den ersten Missionen) so gut wie nie: gefallene Truppführer können von anderen Squadleadern wiederbelebt werden, gefallenes Fußvolk wird an zu erobernden Checkpoints ersetzt. Erst wenn alle Mitglieder meines Teams tot sind habe ich verloren. Dank sehr fair verteilter Eroberungspunkte wird das allerdings (auch im höchsten Schwierigkeitsgrad) eher selten zum Problem.
Schliesslich habe ich mich zum Zielpunkt durchgekämpft, sprenge einen Mineneingang und habe damit den ersten Auftrag abgeschlossen.

Das AusrüstungsmenüIch werde in die Übersicht weitergeleitet; hier sehe ich die auf drei Planeten zur Verfügung stehenden Aufträge samt jeweiliger Belohnung und kann die Zusammenstellung meines Teams sowie die Ausrüstung der Trupps verwalten. An dieser Stelle kommen einige Rollenspielelemente hinzu, wobei mich diese angenehm an meinen All-Time-Fave Battle Isle Incubation erinnern: meine Space Marines verbessern nach und nach ihre Fähigkeiten und können im Ausrüstungsmenü zu waffenstarrenden Kriegsmaschinen hochgerüstet werden, was angesichts der stärker werdenden Gegnerhorden auch absolut nötig ist.

Nachdem ich an Fähigkeiten- und Ausrüstungsverteilung herumgeschraubt habe geht es mittels Landekapsel zurück aufs Schlachtfeld wo mir ein neuer Trupp zur Verfügung gestellt wird.
Bei meinem letzten Auftrag musste ich ein Gebäude zerstören, diesmal soll ein Ork-Boss dran glauben, womit ich jetzt zwei von drei Missionstypen kenne. Später kommt noch die Verteidigung eroberter Einrichtungen hinzu. Leider verlaufen diese drei Typen jeweils nach einem sehr ähnlichen Muster, das ist nicht nur wenig abwechslungsreich sondern auf Dauer fast schon monoton.

Nächtliche Verteidigung des Stadttors von ArgusIch arbeite mich also bis zu meinem Endgegner vor, den ich, wie alle seine künftigen Kollegen, in einer Art Arena antreffe: sein Aktionsradius ist beschränkt, never ever wird er mich über einen bestimmten Punkt hinaus verfolgen… was es für mich de facto unmöglich macht zu verlieren. In meinen Augen ein ganz grober Schnitzer.

Die Story entwickelt sich, wenn auch in vorhersehbaren Bahnen ohne Überraschungen, letztendlich muss ich eine Invasion der insektoiden Tyraniden (erinnern stark an Gigers Alien) abwehren und mich parallel mit Eldar und Orks herumschlagen, das Imperium retten etc pp.
Einige interessante erzählerische Ansätze werden leider nicht weiterverfolgt, so kommen einem meiner Mitstreiter Zweifel an der Sache, es werden Aufstände der Arbeiter auf dem Gießereiplaneten Meridian gegen die ausbeuterischen Adeligen angesprochen und die ewigen Qualen eines gefallenen Kameraden thematisiert, dessen Hirn nach seinem Ableben zur Steuerung eines Kampfroboters weiterverwendet wird; aber all das wird leider nur angerissen.

Explodierende Ork-Panzer im Multiplayer ModusNach geschätzten 40 Missionen habe ich die Bedrohung abgewendet und beschäftige mich mit dem Multiplayermodus. Zum einen kann ich hier die komplette Kampagne online mit einem Compadre durchackern wobei jeder zwei Trupps steuert… sehr löblich.
Das eigentlich Herzstück aber sind die Multiplayer-Gefechte in denen ich mit und gegen andere Spieler online antreten kann. Im Gegensatz zur Kampagne werden hier auch Produktionsabläufe eingebunden, ich starte bei meinem Hauptquartier, muss Energiepunkte sichern und erhalte Punkte für Kämpfe. Damit kann ich meine Zentrale aufrüsten, sprich für die Produktion besserer Einheiten freischalten und eben diese anfordern, so z.B. auch Truppentransporter und schwere Panzer die in der Kampagne nicht zur Verfügung stehen.
Spielbar sind im Multiplayermodus übrigens nicht nur die Space Marines sondern jede im Spiel vorkommende Rasse, was ihm noch einmal zusätzlichen taktischen Tiefgang verleiht.

Fazit

Freud und Leid liegen bei Dawn Of War 2 dicht beieinander: Die Präsentation ist top und auch die aufgebaute Atmosphäre kann faszinieren. Besonders positiv überrascht haben mich die sehr ironisch-humorvolle Umsetzung und die große Detailvielfalt: sowohl die Fahrzeuge und Waffen als auch die Figuren sehen brutal aber comicmässig überzeichnet aus und zu jedem der zahlreichen Gegenstände gehört eine kurze Geschichte. Das klare Highlight aber ist die vollständig gelungene Soundkulisse, seien es die Sprachausgabe der Space Marines (religiös-pathetisch à la: „Mein Glaube ist mein Schild“) und der Orks (unbeschreiblich: „Dakka Dakka vom Himmel“, „Mach dad oda isch mosh disch“) oder die wuchtigen Sounds auf dem Schlachtfeld.
Dem gegenüber steht die Kampagne mit relativ unspektakulärer Story, sich ständig wiederholenden Missionstypen und einem für meinen Geschmack teilweise zu einfachem Schwierigkeitsgrad. Recht enttäuschend auch das Ende… nach dem Intro und den Zwischensequenzen hatte ich da mehr erwartet.
Der Multiplayermodus hingegen weiss zu begeistern, positiv ist ausserdem der ständige Nachschub an Download-Content: diverse Updates, neue Karten, neue Spielmodi, … Entwickler Relic gibt sich da wirklich Mühe.
Alles in allem gehen – trotz diverser Schwächen – bei mir beide Daumen steil nach oben!

Devastor Marine

Nico Jantz | Plattform: PC

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7. February 2012

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