J. TEX – Misery

24. Januar 2010

[Heptown] Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie uns doch bitte mal für eine gemütliche Dreiviertelstunde entspannt inne halten und scheißen wir doch einfach mal gepflegt auf den hektischen Alltagsirrsinn sowie all diese ganzen degenerierten Kretins mit denen man sich ohnehin viel zu oft herumärgern muss und versuchen wir halt zur Abwechslung mal nicht den rechtschaffenden Frust des hart arbeitenden, kleinen Mannes von der Straße mittels stumpfsinnigen Oi!-Punkgebolzes oder mächtig angepissten Hardcore-Geschredders mehr schlecht als recht zu kanalisieren. Nöö, nöö, nöö, lehnen wir uns doch viel lieber gemütlich in den Schaukelstuhl auf der Veranda zurück, zerkauen dabei einen Grashalm und ziehen uns den Strohhut tief ins Gesicht, während wir verschmitzt in die am Horizont versinkende Spätsommersonne über dem Missisipidelta blinzeln … Na ja, angesichts der Tatsache, dass ich hier bei immer noch vorherrschenden, arktischen Dreckstemperaturen im verdammten Neukölln herumvegetiere, ist da wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken, aber verdammt lange schon hat mich keine Platte mehr zu solch hübschen Tagträumereien, wie den eben geschilderten verleitet! Bei Mr. Tex alias Jens Einer Sørensen handelt es sich jedenfalls um einen in Detroit geborenen Dänen, der in den letzten Jahren schon durch zwei feine Alternative Country-Scheiben seiner Band J. TEX & THE VOLUNTEERS von sich reden machte und hier nun auf seinem Solodebüt mit einer absolut wunderschönen Sammlung von zwölf Songs, die eine hervorragend stimmungsvolle Symbiose aus Bluegrass, Folk, Cajun, Americana und Blues darstellen, aufwartet. Die einzelnen Titel variieren dabei zwischen tieftraurig und düster wie beim Opener “Misery”, der wirklich fast den Eindruck vermittelt, als hätte der arme Knabe sein halbes Leben auf einer Baumwollplantage gebuckelt, dann geht’s aber auch durchaus gerne mal fröhlich-beschwingt zur Sache (“What a bummer”) und ab und an wird’s benahe schon hymnisch, wie beim großartigen “One of these days”. Recht spartanisch instrumentiert (selten, dass mal Fidel, Banjo oder Kontrabass ins Spiel kommen), dabei aber aufgrund des exellenten Analogsounds immer sehr viel Wärme verströmend, atmen die Stücke ganz den Geist von Helden wie Hank Williams, Woodie Guthrie (dessen “Ain’t got no home” stilvoll gecovert wird) oder auch dem frühen Bob Dylan (deutlich herauszuhören bei “Good friends”). Das ist schlicht und ergreifend was für’s Gemüt, eine ungemein entspannende Seelenmassage und allen Freunden der angesprochenen Klänge mit großem Nachdruck zu empfehlen – sehr, sehr feine Sache! [ben accident]

Kommentiere J. TEX – Misery

Your name here
Your name here
6. February 2012

-->

Powered by WordPress.org - WordPress Theme deZine by ThemeShift.com