Die Ärzte: Von Käse, Koks und Konkubinen – oder die Schweiz muss sterben, damit wir das Mittelmehr sehen können!

27. November 2009

Nachdem wir „Die Zu Späten“ bereits vor zwei Tagen in der Spätzlemetropole Stuttgart live verfolgten und das dort abgebrochene Interview mit deren Bassisten Rodrigo Gonzales noch fortführen wollten, beschlossen wir den lustigen Musikanten auuuus Berlin nochmals die Gelegenheit zu geben, ihr Können in Zürich unter Beweis zu stellen. Und soviel vorweg: Dies setzten sie trotz Tourfieber, Tripper, Lautstärkeeinschränkung und Syphilis äußerst eindrucksvoll in die Tat um. Wir waren sozusagen aus dem Häuschen. Aber mal von vorne:
Ziemlich verkatert, quasi aus dem letzten Loch pfeifend, versuchten Marie, Jörgi und meine Schönheit die Schweizer Grenze an der legendären Stelle zu Kreuzlingen, wo vor Jahresfrist zwei Grenzbeamte in aufopferungsvollem Kampf gegen das Böse, sprich gegen nen italienischen Waffenhändler ihr Leben ließen, zu passieren.
Glücklicherweise ging damals auch der Mafiosi mit drauf und entkam somit nicht seiner mehr als gerechten Strafe, die nem Halunken wie ihm für eine solch frevelhafte Schandtat wie nem Polizistenmord nun mal gebührt. Ich mein wo kämen wir denn hin, wenn es für jede dahergelaufenen Hausfrau möglich wäre an ne Uzzi ranzukommen? Dieses Recht steht nur elitären und staatlich geprüften Privilegierten wie Bundeswehrproleten, Polizeiobermeistern, McDonalds-Fleischlieferanten und amerikanischen Kindern nicht unter 5 Jahren zu.
Wenn es jedoch schon so weit kommt, daß zwei aufrechte, tapfere Kämpfer für Zucht und Ordnung während der Ausübung ihres heldenhaften Berufes draufgehen müssen – was uns alle sehr, sehr traurig stimmt – bleibt uns selbstredend nichts anderes übrig als Ihnen aus Dankbarkeit etwas Gutes zu tun. Deswegen werden wir nächstes Jahr für diese selbstlos handelnden Familienväter, die ihr kostbares Leben für das helvetische Vaterland vorbildlich verschenkten, eine stundenlange Gedenkminute abhalten, sie zu heiligen Märtyrern auf einer Stufe mit den Onkelz küren und danach liebevoll die Blumen ihres Grabes gießen. Da aber Wasser im Land des Käses und des Judengoldes mindestens so teuer ist wie die billigste aller Drogen, benutzen wir statt dessen – sparsam und umweltfreundlich wie Schwaben nun mal sind – unser heiliges Eigenurin, das wir dadurch erzeugen indem wir voll Freude auf den Tod unserer Möchtegernbeschützer anstoßen. Dies geschieht natürlich alles unmittelbar Vorort ihres prunkvoll geschmückten Heldengrabes, wo wir auf ihr Wohl singend und johlend das ein oder andere Döschen Hansa die Gurgel herunter gleiten lassen. Zu guter letzt heimsen wir somit noch ganz nebenbei den Claus Lüehr-Gedächtnispreis für Volk, Umwelt und Heimat ein, der uns selbstverständlich stante pede an Ort und Stelle in Form einer niedlichen Modell-Atombombe überreicht wird.
Zu diesem Ereignis, verehrte Punkrocker und Reenies, seid ihr natürlich alle sehr herzlich eingeladen. Haltet die Augen offen wenn der Pankerknacker wieder mal zu einem seiner berühmt berüchtigten Sternen-Märsche gen Kalkutta aufruft. (siehe weiter hinten unter Tourdaten). Doch wenden wir uns jetzt wieder der Vergangenheit zu:
Höchstwahrscheinlich hielten uns die Schweizer Zöllner ebenfalls für Waffenhändler, Zuhälter oder Drogenschmuggler. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sie uns annähernd 90 Minuten aufs penibelste durchsuchten. Betrachtet man das ganze jedoch aus deren Blickwinkel, kann man ihre Denkweise sehr gut nachvollziehen: Erstens sahen wir mit unserem ziemlich dick aufgetragenen Punkrock-Outfit (schließlich sind wir eitel!) genauso aus wie jemand aussehen muss, der unauffällig etwas über die Grenze schmuggeln möchte. Zweitens muss auch jemand die Drogen dorthin zurückbringen wo sie mitunter herkamen und ganz nebenbei erwähnt ziemlich legal zu erwerben sind. So ist im Endeffekt auch unser Verhalten zu erklären: Wir schmuggeln allein des Nervenkitzel wegens. Was bleibt uns in Zeiten wie diesen auch anderes übrig: Die Chaostage bringens schon lange nicht mehr, Wackerdorf verstaubt in den Geschichtsbüchern, der Castor rollt zwar weiter – langweilt aber dennoch, Skinheads wollen alle voll hippiemäßig united sein, die Startbahn West gehört den Bullen, Faschos werden zu allem Überfluss auch noch verboten und Piercings, Tattos und bunte Haare sind längst zum Feind übergelaufen. Da bleibt uns asozialem Punker-Pack nicht mehr viel. Deshalb steigen wir jetzt auf Protest-Schmuggeling um. Aus der Schweiz nach Deutschland schmuggelt jeder Depp. Wir drehen den Spieß mal um: Kaufen uns bei nem verlausten Drecksdealer mit wodka-deutscher Abstammung ein Kilo Dope für 4000 Mark, bringen es über die Schweizer Grenze und verkaufen es dort für ein drittel des Einkaufpreises an einen örtlichen, legalen Coffee-Shop. Adrenalin pur! Angenehmer Nebeneffekt: Unser überschüssiges Taschengeld mit dem wir sowieso nicht wissen wohin, sind wir dadurch auch auf einen Schlag los. Kein lästiges, sich in endlose Länge ziehendes Konsumieren mehr. Zack und weg. Darauf muß erst mal einer kommen. Hiermit bedanke ich mich im Namen aller Punkrocker bei den Schweizer Zöllnern für diesen brillanten Einfall. Und da sagt noch mal einer: Wer nix ist, wer nix kann, wer nix weiß geht zum Zoll oder zur Polizei. Das ist ja wohl absoluter Schwachsinn. Schließlich wird nicht jede Pfeife beim Zoll eingestellt. Wer dort landen will muß schon einen gewissen Scharfsinn, logisches Denken und ne empfindliche Spürnase vorweisen können. Und das konnten sie auf jeden Fall, die Kreuzlinger Zöllner. Aber lest selbst:
Wie schon gesagt waren die ansässigen Beamten durch die Bank clevere Kerlchen, die anhand unseres Anblicks geistesgegenwärtig kombinierten, dass wir auf jeden Fall etwas schwer illegales mit uns führen würden. Gerade in der Schweiz wo man an illegale Dinge wie Drogen, Waffen, Käse und Kühe beinahe gar nicht herankommt, muss man angesichts solch rarer Waren verschärft auf der Hut sein.
So kam es wie es eben kommen musste: Rechts ranfahren, Fahrzeugpapiere, Ausweise…der ganze Rotz eben, ihr kennt das ja. Nach kurzer Überprüfung und der Akteneinsicht in mein Vorstrafenregister, war für die Dumpfbacken der Fall klarer denn Kloßbrühe: Den Howard Marks von Deutschland und seine verruchten Kumpane muss man mal wieder ordentlich filzen.
Zuerst wurden wir auf Befehl eines kaum der Schweizer – geschweige denn der deutschen – Sprache mächtigen Exil-Franko-Schnautzbartträgers in das Zollamt gebeten, wo wir der Reihe nach unser Hab und Gut präsentieren mussten. Als ersten nahmen sie mich dran. So holte ich auf Befehl zähneknirschend alles aus meinen Schläuchen ähem natürlich meinen Taschen. Der Zöllnerarsch pflegte den Inhalt kurz prüfend in die Hand zu nehmen und zur Seite zu legen. Und damit hatte er wirklich einiges zu tun. Meine Taschen waren randvoll mit mehr oder weniger nutzvollem Krempel. Bei dem Blick auf Antjes Slip, den ich im weiteren Verlauf des abends Rodrigo Gonzales auf die Bühne werfen sollte, streifte er sich – inzwischen äußerst irritiert – zwei Gummihandschuhe über. Spätestens jetzt konnte sich keiner von uns mehr das lachen verkneifen. Genau musternd führte er den Slip an seinen ungläubigen Augen vorbei. Dass er nicht noch daran roch war wirklich alles. Während der Kerl ein todernstes Gesicht mimte, lagen wir vor Lachen auf dem Boden. Der Vollhorst musste sich dabei reichlich blöd vorgekommen sein, aber was macht er sich auch zum Affen. Wir brüllten in den Räumlichkeiten des Zollhauses rum, als wäre uns der komplette ‚Das Leben des Brian’s‘-Film im Schnelldurchlauf durchs noch nicht weggesoffene Resthirn gesaust. Der Kerl, motiviert bis in die Haarspitzen gab dennoch unaufgefordert einige Zugaben: Als nächstes nötigte er mich, meine Nieten, Handschellen und sonstigen Utensilien abzulegen. Naja, wir Drogendealer sind eben äußerst schwer bewaffnet und auf alles gefaßt.
Danach kam Marie dran, die sie aber dank ihrer weiblichen Reizen eher mit Samthandschuhen anfassten und mangels nötiger Zollfrau nur oberflächlich durchsuchten. Bei Jörg das selbe Ritual. Auch er mußte alles ablegen und jeder einzelne Gegenstand wurde genauestens beäugt. So war der Bartträger dann einige Zeit ohne besondere Vorkommnisse beschäftigt. Plötzlich stach dem Volldeppen aber – leider nur sprichwörtlich gemeint – Jörgs Schlüsselbund ins trübe Auge. Daran befand sich ein wirklich stinknormaler Flaschenöffner, welcher in seiner Form einem Haifisch nachempfunden war. Wieso ihm dat Dingens so bitter aufstieß, kann sich von uns bis heute keiner erklären. Wahrscheinlich aus dem bei dieser Menschengattung so häufig vorkommenden Grunde: Um sich damit selbst eine – aus objektivem Blickwinkel betrachtet völlig unnötige – Daseinsberechtigung in die eigene Tasche zu lügen. Jedenfalls kann selbst ein ziemlich schlicht denkender Mensch an dem Kronkorken-Mörder unter normalen Umständen in keinster weise etwas beanstanden, geschweige denn was gefährliches feststellen. Ein ganz normaler Bierflaschenöffner aus Metall, den der Trottel aber als gefährliche Waffe bezeichnete. Mahnend und kein bisschen ironisch meinte er zu Jörg, wenn er heute nicht seinen guten Tag hätte, würde er dat Dingens aufgrund des Schweizer Waffeneinfuhrverbotes beschlagnahmen und diesen wieder nach Hause schicken. Weil er an jenem Tag aber super drauf war, wahrscheinlich hat ihm früh morgens seine Frau nen Orgasmus vorgespielt, ließe er nochmals Gnade vor Recht ergehen. Dazu fiel uns dann echt nichts mehr ein. Wir zogen uns wieder an und verließen schmunzelnd das eher einer Comedy-Show denn einem Zollamt ähnelnde Gebäude.
Als ob dem ganzen immer noch nicht genug gewesen wäre, ging es danach meiner Karre an die Wäsche:
Hilflos mussten wir den Heinis zuschauen wie sie fein säuberlich Hardcore 704 zerlegten. Trotz der Gewissheit eigentlich nichts mit mir zu führen, verspürte ich in der Magengegend ein mehr als mulmiges Gefühl. Ich befürchtete mal wieder das Schlimmste.
Man kann eben nie ausschließen, ob nicht doch noch Restpulver von der letzten Koksparty unterm Sitz liegt, oder ob einem zwielichtigen Tramper, an den man längst nicht mehr denkt, in einem glücklosen Moment etwas Leckeres aus der Tasche fiel, was seit diesem Zeitpunkt sein Dasein traurig bis zur Bergung durch den netten Zöllner zwischen der Rückbankritze fristen muss. Mir sind da schon die dollsten Dinger passiert. Wenn ich nur an meinen 2. Sardinienurlaub, der mittlerweile auch schon wieder seit 5 Jahren Geschichte ist, zurückdenke wird’s mir ganz anders: Auf der Reise nach Santa Theresa hatte ich ohne es jedoch zu wissen 10 Gramm Haschisch dabei. Selbstverständlich war eines Abends die Freude riesengroß als ich so nen dicken Bollen bei der Kassettensuche unterm Sitz vorfand und wenig später diesen einsetzte um ein süßes Austriagirl zu vernaschen. Wenn ich jedoch trotz all dem Spaß darüber nachdenke, was passiert wäre wenn mich die Zollärsche an einer der drei zu überquerenden Grenzen erwischt hätten, dreht sich mir das frisch geexte Bier im Saumagen schneller als die Trommel einer ausgelutschten Punk-WG-Waschmaschine es je tun könnte um. Und das obwohl mein Magen gegen jegliches Teufelzeug mehr als resistent ist. Schließlich ist er Vietnam geprüft.
Bleiben wir aber bei unserer Geschichte. Es hätte noch viel schlimmer kommen können: Mir gingen so Gedanken wie „Vielleicht schieben die Bullen einem bei der Durchsuchung kurzerhand etwas unter, um es wenig später triumphierend zu finden…“ durch den Kopf. Zuzutrauen wäre es dem Dreckspack durchaus gewesen.
Seht ihr, ein schlechtes Gefühl hat man bei so ner fuckin’ Kontrolle eigentlich immer. Da kann die Weste noch so weiß sein, durch nen dummen Zufall kann’s jeden ficken.
Uns fickte es diesmal nicht, weswegen uns allen ein riesiger Hinkelstein vom Herzen gefallen ist.
Nachdem die inzwischen zu dritt suchenden Volldeppen das Auto wirklich haargenau durchstöbert hatten und zu ihrem Ärger nichts fanden, mussten sie uns geschlagene zwei Stunden später zähneknirschend und leise in sich hinein fluchend leider Gottes ziehen lassen.
„Nichts wie weg“, dachten wir kollektiv und gaben angesichts des beträchtlichen Zeitrückstandes Gas wie es sonst nur unser aller Held Michael S. aus K. tun kann. Doch jetzt war es von Nöten. Es herrschte Ausnahmezustand und wir taten genau das wovon die Abiturmachenden Garagen-Punks so gerne träumen. Demzufolge brannten wir feinstes Bridegestonegummi rücksichtslos in den Schweizer Asphalt.
Da fällt mir ganz nebenbei ein, warum die Judengolddiebe Autobahngebühren verlangen und wir Teutonen es nicht tun. Als neutrale Helvetiskis kann man nicht ohne weiteres schicke Arbeitslager unbemerkt aus dem Boden stampfen. Wenn man von sich behauptet ein unbescholtener Freistaat zu sein, wird man dafür nämlich vors UNO-Kriegstribunal gestellt. Ergo bleibt den Alpenbesetzern nichts anderes übrig als teuere Schweizer Arbeitskräfte in Anspruch zu nehmen und ganz nebenbei mehr Kalorien, quasi Käse und Schokolade an diese zu verfüttern. Und was schlussfolgern wir daraus: Wo ein Wille bzw. ein Auto ist, ist auch ein Krieg. Oder Länder die nen Adolf hatten, haben es nicht nötig Maut zu verlangen.
Doch wir sind Punks und zahlen nix!
Mit dem Fahren ohne Vignette verhält es sich in etwa so wie mit dem Schwarzfahren in Bus und Bahn. Man hat immer einen kostenlosen Nervenkitzel und bis man endlich gefickt wird hat man die Strafe längst wieder reingefahren. Obwohl die helvetischen Knöllchen fürs Missbrauchen ihrer Hitlerbahnen wohl locker das fünffache einer 60 DM Schwarzfahrt betragen werden.
Bisher blieb es uns aber leider verwehrt erwischt zu werden, weshalb ich euch darüber noch keinen detaillierten Tatsachenbericht liefern kann. Wer jedoch schon von meinem sprichwörtlichen Glück gehört hat, weiß auch dieses Abenteuer kann nicht mehr lange auf sich warten lassen.
In Zürich sollten wir entgegen dem vorigen Reiseablauf ziemlich schnell sein. Problematisch wurde es nochmals kurz bei der Suche nach der toten Fabrik. Doch eines war klar: Endloses unkonzentrierte Gesuche wie auf vergangener Odysseen konnten und wollten wir uns diesmal nicht leisten.
So traten wir uns gegenseitig etwas in die Eier respektive deren Stöcke und fanden alsbald auch das rote Backsteingebäude, welches idyllisch am Ufer des Mississippi (oder war’s dann doch der Nil) seine Rente verprasst. Kaum war das Spaß- und Saufmobil eingeparkt, tat der Fahrer das was er seit 3 1/2 Stunden tun wollte. Er betrank sich im Schnelldurchlauf. Ruckzuck war der Inhalt der Woddyflasche hinuntergestürzt, noch schnell ne Ersatzflasche inne Tasche gesteckt, und schon machten wir uns per pedes auf die letzen Meter zum Ambiente des anvisierten Spektakels.
Im Gegensatz zu Stuttgart ließ das Geschehen hier auf ein echtes Geheimkonzert hoffen. Die Schweizer waren eben schon immer etwas langsamer (besonders die Berner), was uns an diesem Abend jedoch sehr entgegen kam. An der Kasse sichteten wir bereits von Weitem ein bekanntes Berliner Gesicht , das den Hungerleidern von Hot Action Records zuzuordnen war, welches uns lobenswerter weiße ohne mit der Wimper zu zucken mit extrem wichtigen Personen-Pässen ausstattete. Andererseits diente dies ja auch nichts anderem als dem Selbstzweck des Labels. Ich mein wo kämen wir denn hin wenn wir als berühmt berüchtigte Starjournalisten bei nem Auftritt so ner Anfängercombo wie den die zu späten den Saldo berappen müssten.
Am Eingang wurden wir liebenswerter weiße noch auf Baseballschläger und Wurfsterne in Hakenkreuzform kontrolliert. War ja auch offensichtlich anzunehmen dass wir derlei nützliche Accessoires unter unseren schicken Bomberjacken mitführen würden, schließlich sah man uns aufgrund unserer kleinen, schwarzen Schnauzbärten auch ohne Brille an, dass wir aus dem Land der Dichter und Denker stammen mussten und nur darauf aus waren die Schweiz in Schutt und Asche zu legen. Doch dies war ein Trugschluss: Allet wat wir unter unseren schicken Strickjäckchen reinschmuggeln wollten, waren diverse Karaffen gefüllt mit dem ein oder anderen Tröpfchen Äthanol, welches dazu diente dem Abend die entscheidende Tüpfelchen auf dem „dä“ aufzusetzen. Selbstverständlich fanden die Wachhunde meinen geliebten Muntermacher, was aber keinesfalls gleichbedeutend einer Naturkatastrophe wie der eines verlorenen Länderspiels gegen Holland gleichzusetzen war. Wohlwissend ich dürfte es gleich in Becher umfüllen, rückte ich grinsend mein Heiligtum heraus. Ebenso grinsend und wohl auch wissend dass ich im Bilde war, erklärte mir die süße Punkrockerin am Durchlass dat ich die Ampulle wie bereits geahnt in Plastikeimer umpumpen müsse, danach aber ruhigen Gewissens damit reingehen dürfe. Wat für ein Service.
Das gibbet wohl nur in der Roten Fabrik. Aber die Schweizer ham’s ja. Nicht zuletzt durch den Diebstahl der von uns mühevoll herausgeschlagenen Goldzähne und ähnlicher gewinnbringender Souvenirs des 5. Weltkrieges, können sie sich diese Großherzigkeit auch leisten und ganz nebenbei damit hochnäsig rumprahlen. Aber wer will schon an so einem romantischen Abend nachtragend sein und böses denken? Wir deeskalierten unser Denken und teilten wie einst Sankt Martin seinen Mantel, uns den Wodka in drei Becher auf und enterten gutgelaunt den Konzertraum der kleinen Fabrik. Darin angekommen mussten wir feststellen dass dort noch total tote Hose herrschte, zum Glück aber nicht die allseits beliebten Clowns von Essen auf Rädern mit ihrer Anwesenheit nervten. Laut vorgegebenem Zeitplan sollte die Show bereits in wenigen Minuten beginnen und das zu unserer Freude vor mal gerade 80 bis 90 Hanselen, die das bis dato eingetroffene Publikum darstellten. Alsbald vernahmen wir das bekannte Intro von der Debil-Platte, welches uns mit dem kultigen (ausnahmsweise nicht negativ gemeint) Spruch „Hey du Blödmann, Du hast die falsche Seite aufgelegt“ begrüßte. Und schon standen die drei Berliner auuuuuus Berlin spät pubertierenden in voller Montur auffer dezent Club-mäßig gehaltenen Bühne. Zwar nicht mit sponsored by Clerasil-T-Shirts an den greisenden, runzeligen Körpern aber dennoch in ihrer jugendlichen Leichtigkeit. Nach den ersten Akkorden von „Wie am ersten Tag“ füllte sich die Bude plötzlich blitzartig. Wahrscheinlich war Punkrocker Alois (oder wie die da heißen) gerade zufällig auf „a Schtangge Bier“ da, erkannte durch die unproportional angeordneten Löcher seines Käseriegels die zu Späten und alarmierte stante pede per super punkigem Goldzahn-Handy seine Mama, seinen Papa, seine kleine Schwester und zu guter letzt die bereits kurz vor dem abschwächeln stehende Omi, welcher extra für „Omaboy“ nochmals der Zettel vom Zeh entfernt wurde.
Nach den ersten drei Songs war das Gebäude mit ca. 400 Leuten gerammelt voll. Plötzlich konnte man die Luft wahrlich in Scheiben schneiden. Genau so muss ein Geheimkonzert sein. Kein Vergleich zu den 3000 Trotteln, die im Stuttgarter Theaterhaus unsere Rotze auf Ihren Hinterköpfen zu spüren bekamen, weil diese die bodenlose Frechheit besaßen uns die freie Sicht zu versperren. Na ja, dass wir alle getroffen hätten wäre gewiss übertrieben gewesen, einige blieben dummerweise verschont. Da waren einfach zu viele Matschbirnen am Start. Soviel kann ein gewöhnlicher Körper unmöglich ausspeien ohne zusammenzubrechen. Es sei denn man geht am Tresen die Speichel-Uzzi nachladen, doch dazu hätten wir unsere Astralkörper wiederum durch den hässlichen Abschaum bewegen müssen und womöglich noch den ein oder anderen Hit verpasst. Soviel zu Stuttgart!
In Zürich ging inzwischen die Post ab. Die erste Stunde gaben die drei beschnittenen Haudegen ausschließlich Uraltsongs zum besten. Während den kurzen Verschnaufpausen dazwischen wurden wir vereinzelt von besonders bunthaarigen Gestalten darauf angesprochen, ob wir sie noch angesichts unseres Treffens im Stuttgarter Theaterhaus kennen würden. Auf die zumeist verneinende Antwort meinten Sie schier flennend dass sie uns dort doch nen Pickelknacker abgekauft hätten. „Na und, habt Ihr deshalb Anspruch auf nen Schluck von unserem Bier, welches Ihr noch nicht mal vertragt?“ Es ist ja nett wenn man in der Fremde tolle Hechte wie euch trifft, die einen wiedererkennen, aber warum müsst Ihr vom netten Smalltalk immer gleich zum penetranten Schnorren überleiten? Wenn es bei nem Schluck Bier bliebe. Doch meist folgt danach die Frage nach der Zigarette und wenn Du diese aus zufälliger Gutlaune gewährst, kommt prompt als nächstes, ob Du was dagegen hättest Deine Freundin für nen Quickie zu verleihen. So ist dat eben mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand im Assipunk-Business.
Apropos Pickelknacker: Den hatten wir extra für die beiden Konzerte limitiert auf 300 Ausgaben zusammengestellt. Und wer hat uns in Stuttgart eigentlich keinen abgekauft? Von der raren Auflage hatten wir binnen einer Stunde kein Teil mehr übrig. Eigentlich sollten diese ja für 2 Konzerte reichen. Bezeichnenderweise war Wizo-Axel mal wieder einer der ersten Kunden. Das Geheimnis des Heftes war wohl, dass es nur ne Mark kostete und etwas von Belas Schwanz und Farin’s Weißheitszähnen auf der Titelseite stand.
Für die faschistischen Fans, die alles über die drei Berliner blind konsumieren und es aufsaugen wie das deutsche Volk Göbbels Wort, reichte dies bei weitem als Kaufanreiz. Wir brauchten uns noch nicht mal bemühen die Hefte loszuwerden, sie wurden uns förmlich aus den Händen gerissen. Und das obwohl sie lediglich aus 8 (acht!) Seiten bestanden. Zwar beinhaltete das Heftchen ein Hunds altes von uns geführtes Interview mit den Ärzten und noch eines mit Intimfeind Campino, dennoch war es eine Frechheit so was für wenn auch nur eine Mark zu verkaufen. Vielleicht wird das einigen Blindschleichen ja ne Lehre sein. Aber zurück zum wesentlichen, nämlich dem grandiosen Konzert.
Die Berliner Mitvierziger präsentierten annähernd ihr komplettes Repertoire längst vergangener Tage gepaart mit einigen witzigen Sprüchen, die weit unter die Gürtellinie reichten. Bin mal gespannt wann die Jungens ne G.G. Alin Coverband gründen werden. Wäre schon cool Bela und Rod beim Weitwichsen oder Farin beim Bühnen-Scheissen zuzusehen.
Jedes Mal wenn einer der Säue nen besonders gelungenen Spruch zum besten gab, warf ich ihm zur Belohnung nen Tampon von Oma Promille, wovon ich zufällig noch den ein oder anderen in meiner Tasche trug, vor die Füße.
Hatte ich zwecks Zielverbesserung wieder zuviel Wodka geschnupft, erwischte ich ab und an nen guten Moment und traf sogar an die bestens gepolsterten Frisurträger der Bärliner Sängerknaben. Doch keine Sorge liebe Mädels. Eueren Helden ist natürlich nichts passiert. Erstens benutzte ich die ganz kleinen weichen Flanell-Dublos und zweitens warf ich diese so sanft wie einst Pelé mit dem Ball umging. Dass euch wiederum, verehrte Tittenmäuse, Pelé ein Begriff ist, erscheint mir eher abwegig.
Von Ansteckungsgefahr konnte auch keine Rede sein; selbstverständlich waren die Mädchen-Stöpsel nicht gebraucht. Seit einiger Zeit hab ich mir nämlich abgewöhnt mit solchen zu spielen. Vor ein paar Jahren pflegte ich noch die vor Ketschup triefende Watteröllchen meinen Briefen an diverse Personen beizulegen. So erinnere ich mich nur zu gut daran, wie ich einst Swen Bock, dem dickbäuchigen Herausgeber vom Plastik Bomb nen gebrauchten Tampon meiner damaligen Freundin zuschickte.
Natürlich in der ambivalenten Größe „Extra dick“ Zuordnungsfarbe orange.
Mein damaliges Handeln stößt allerdings nicht nur euch genau in diesem Moment wo ihr das lest bitter auf und lässt euch zu nem vorgegriffenen Urteil über mich hinreißen, nein es tat dies auch schon damals bei meiner Ex-Freundin Marlene (Name der Redaktion bekannt, zum Schutze des Autors vor der feministischen Ortsgruppe Schwarzwald-Baar/Heuberg jedoch geändert), die passend zu dem Vorfall sich vor Wut nicht schwarz sondern rot ärgerte.
Doch was ließ sie ihre Tampons auch immer neben dem Bett, auf der Waschmaschine oder in der Küche liegen. Eines Tages dachte ich mir, bevor mir wieder so ne Scheiße passiert, wie sie mir bei jener Geschichte wiederfuhr, als ich mir frühmorgens noch halb besoffen nen Bluttee mit so ner Perversion am Faden aufgießen wollte, muss ich die Dinger schnellstmöglich selbst entsorgen.
Und was verehrter Leser, spricht dagegen, die Teile in das nächstmögliche Kuvert zu stecken und von der Freundin auf die Post bringen zu lassen? Erzählt hab ich’s ihr natürlich erst als sie wieder zurückkam. Jetzt aber mal im Ernst: Versucht man die Teile das Klo runterzuspülen, so findet man in dessen tiefen Hals nach einigen Tagen ein ganzes Aquarium vor. Die Dinger lassen sich mit Wasser nämlich nicht vertreiben und das schlimmste daran ist, sie suchen sich zu allem Überfluss noch Kumpels in Form von gehärteten Scheißbollen, die sie daran hindern die Toilette in den Tiefen der Kanalisation zu verlassen. Und wer macht im Endeffekt dann wider den Rotz weg? Dazu brauch ich wohl nichts zu sagen, oder?
Die ganze Röllchen-Werferei sollte im Endeffekt aber nur dem Warmschiessen für das Wesentliche dienen. Wie ich bereits andeutete, wollte ich zu passender Gelegenheit Signore Gonzales Antjes ungewaschenen Slip um die Ohren werfen und tat dies auch nach dem letzten Schluck, den die Hausbar noch zu bieten hatte. Zu dumm dass ich den breit grinsenden Südamerikaner um Haaresbreite verfehlte.
Leicht irritiert vergeigte der gute Rod bei „Frank ‚n’ Stein“ daraufhin einige Akkorde und musste sich postwendend bitterböse, vermutlich neidische Blicke, seiner Geldgeber gefallen lassen.
Der Hamburger Altpunk freute sich dennoch und hängte das blaue Höschen stolz an seinemnBass , wo dat Dingens dann auch die ganze Show über hing, bevor er es sich vermutlich genüsslich durch die Nase zog – der alte Genießer!
Kurz nach dieser fulminanten Heldentat wurde mir wieder klar dass mein Wodka nichts mehr hergab, woraufhin ich es vorzog in den Vorraum zu schlendern, um mich nach neuer Alkoholika umzuschauen. Die wurden mir wenig später von nem schwulen Schweizer spendiert, der vermutlich auf meine geschminkten Augen scharf war. Verblüfft ließ ich den edlen Spender stehen und führte zu seinem Unverständnis einen kurzen Dialog mit einer ziemlich eschwanzipierten Rrrriot Frrau, die wohl ausschließlich wegen dem alten Hit „Schwanz ab“ zugegen war. Vermutlich handelte es sich um die selbe Frau mit der die Terrorgruppe neulich ihre Liebe Mühe hatte.
Aus dem Konzertraum war zu diesem Zeitpunkt nur ein wenig Dünnpfiff zu vernehmen, so widmete ich mich nach und nach den belanglosen Gesprächen mit einigen Neidgenossen.
Plötzlich drangen mehr als seltsame Klänge in die Eingangstrichter meiner Lauschlappen. „Wat is denn dette?“ fragte ich meine Gesprächspartner, welche auch nur schulterzuckend den Kopf schüttelten.
Wie ich bereits in Stuttgart mitkriegte, war Farin gesundheitlich ziemlich angeschlagen, aber so schlimm wie er sich jetzt anhörte, konnte es beim besten Willen nicht um in stehen.
Gute zwei Minuten krächzte und grölte es zu uns herüber, dass es eine wahre Wonne war. Während diesem nie enden wollenden Gebrülle, passierte ein ganzes Rudel Punks die Tore zur Vorhalle um sich an der Tränke mit dem ein oder anderen Schnaps über Farin’s Geheule hinwegzutrösten.
Als ich wenig später wieder hineintorkelte, erzählte mir Marie dass das eben nicht Mr. Holiday sondern mal wieder unser Jörg war, der sich auf der Bühne beim Karaoke-Wettbewerb zum Affen gemacht hatte. Scheiße dass ich’s verpassen mußte. Mister Harley muss laut Aussagen zahlreicher Görls (mir zwar auch unverständlich, doch die Alten schworen Stein und Bein bzw. Berg und Tal) ein hervorragendes Posing abgeliefert haben. Später bekam der kleine Star ständig Bier und Gras von schweizzer Tittenmäusen spendiert, wovon ich wiederum auch profitieren durfte, weil der dumme Jörg versprochen hatte, uns zum feierlichen Abschluss des Abends einigermaßen nüchtern über die Grenze zu bringen. Apropos Bier: Nachdem Jörg mich mit einem seinen Freigetränken verwöhnte, wie ein Gentleman die Frau seines Herzens mit Sperma, machte sich irgendwann auch mal meine Blase deutlich überfüllt bemerkbar.
Immer stärker verspürte ich den Drang meinen Saft loszuwerden. Das erklärte ich Jörg mit der Bitte er solle meine beiden vollen Becher bis ich zurück wäre halten, damit mir diese in dem Gedränge zum Abort nicht runterfallen würden. Kurzerhand signalisierte mir Mr. Harley mit einem breiten Grinsen, dass er eine viel bessere Idee hätte, sprachs und hielt mir nen leeren Becher vor meinen Hosenstall. Nicht lange fackelnd holte ich meinen Warzensepp raus und dieser gab Gummi bzw. Harn. Der Becher hatte annähernd Idealgröße, zwar glitten beim Endstrahl noch einige Tropfen über meine Finger, doch alles in allem verlief die Operation Klostein mehr als ordentlich. Nachdem ich mein Geschäft erledigt hatte, schmiss ich den randvollen Becher in die tobende Zuschauermenge, welche sich über die angenommene Abkühlung auch noch zu freuen schien. Und das obwohl James Blonds Urin brühwarm sein musste. Vielleicht sagt ihr jetzt „ Knack der Assi is ja mal ne alte Pottsau“ . Doch glaubt mir, Freunde der Nacht, dem ist nicht so. Wie jedem von euch klar sein müsste, ist Urin bekanntlich das Hausmittel schlechthin gegen Pickel und davon gab’s an jenem Abend in der rosa Fabrik mehr als genug. Seht ihr ! Mein einziges Anliegen bestand darin, den Ärzte Jüngern zu helfen etwas gegen ihre penetrante Verunstaltung zu tun. Und jetzt entscheidet selbst: War das nicht nett von mir?
Nach zahlreichen Zugaben – fragt mich aufgrund meines Zustandes bitte nicht nach der Setlist – und beinahe drei Stunden Punkrock, gingen letztendlich doch noch irgendwann die Lichter an und man erblickte durchweg nassgeschwitzte Homosapiens die stark hechelnd nach Luft und Flüssigkeit lechzten.
Ob dies jetzt ein kleiner Seitenhieb an Bänds war, die aufgrund ner Grippe ne ganze Tour canceln, lasse ich an dieser Stelle mal ganz diplomatisch offen wie ein Schoinenthor.
Klar wie Kloßbrühe war hingegen, dass für uns der Abend noch lange nicht beim Sandmännchen angeklopft hatte.So schlenderten wir in den großen Konzertraum der Bunten Fabrik und warteten bis Mr. Gonzales sich den Reis aus den Haaren gewaschen hatte. Beim Warten wurden in meinem im wahrsten Sinne des Wortes versoffenen Resthirn dunkle Halberinnerungen längst vergangener Tage hervorgerufen. „Hatte ich nicht hier an selber Stelle vor Jahren mit Fat Mike und Konsorten Hockey gespielt? Ich glaube schon.“ . Mitten in die Seifenblase platzte der charmante Rod herein, woraufhin wir nach kurzer Begrüßung mit dem zweiten Teil des Interviews fortfuhren. Hoch anrechnen muss ich dem Kerl im Nachhinein dass er in keinster weise aufgrund meiner lallenden Fragestellung und extremer Peinlichkeit die Wimper verrenkte oder mich gar auslachte, sondern versuchte anständig, sachlich und dennoch interessiert und nicht schnellstmöglich dat Dingens zu Ende zu bringen. Ergo bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm zuzugestehen was alle Frauen, die auf seine Hackfresse abfahren ohnehin behaupten:Der Mann hat Stil und Charakter.

Nach gelungenem Interview wollte Jörg Harley uns – wie immer wenn wir die karierte Fabrik aufsuchen – noch ins gegenüberliegende Nachtlokal zum Table-Dance einladen was aber nicht im Sinne von Marie war. Wäre statt der kleinen Marie unser Sexprotz Marky dateigewesen, hätte ich mich wohl kaum davor drücken können. So fuhren wir glücklich und zufrieden wenn auch durch ein paar Einbahnstrassen nach Hause ins geliebte Deutschland ohne auch nur von einem scheiss Grenzer dabei gestört zu werden. Das lag wohl daran, dass die Deppen nachts um drei ebenfalls völlig dicht waren.
-Fini-

Opa Knack

Und das meinen die Zu späten zu ihrem Konzert in Zürich:
(siehe Homepage: www.diezuspaeten.de)
Am frühen Nachmittag fahren wir in die Rote Fabrik, ein sehr romantisch am Zürisee gelegener roter Backsteinbau; wo wir dann den ganzen Spätnachmittag lang verwöhnt werden mit leckerer Tomatensuppe, heißem Tee und allem, was das Punkerherz begehrt…
Und dann gehtís los. Um gerade mal halb neun dürfen wir beweisen, daß man auch mit einer geradezu absurden Lautstärkebegrenzung von 100dB rocken kann. (Zum Vergleich: ein normales Konzert hat ca. 127 dB, eine schreiende Marktfrau bis zu 98, ein Düsenjet knapp 140.) Die Schweizer (verstärkt durch VIELE zugereiste) sind anfangs eher unterkühlt, wohl auch, weil es so ungewohnt ruhig ist; aber nach dem 4. Stück geht’s dann richtig ab. Im Verlauf des lustigen Abends zeigt sich dann auch, daß die GG Allin Biographie mittlerweile von der gesamten Band gelesen wurde – einige Ansagen sind schon extrem kotlastig!
Farin ist heiser, aber dafür singt das Publikum schön laut mit – und da ist auch schon der Karaoke- Teil. Zunächst singt Jörg vom Pickelknacker (das Schwesterfanzine des Punkerknacker!) eine SEHR punkige Version von Teenager Liebe; danach ñLadies last- Andrea mit Für Immer.
Die wertvollen Preise diesmal: ein 24V Ventilator für den stark schwitzenden Punker; Andrea geht mit einem kleinen Barbecue- Grill nach hause. Starke Preise!!
Im Set taucht dann überraschend Mystery Land auf und alles ist gut, bis wir am Ende der ausgiebigen Zugaben angelangt sind und das Publikum sich strikt weigert, uns von der Bühne zu lassen. Na gut: zunächst servieren wir eine a-capella-Version des 3-Tage-Bartes; dann Geschwisterliebe (LEGAL in der Schweiz!) und eine sehr flache Pyramide, bevor wir uns um die recht angeschlagene Mint kümmern, die backstage in dicke Wolldecken gehüllt flachliegt….
Alles in allem ein schöner Abend; bis auf die bescheuerte Lärmbegrenzung. WAS HAT DAS MIT ROCK`N`ROLL ZU TUN, LIEBE SCHWEIZER??????

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7. February 2012

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