Laibach im Kulturladen Konstanz

25. November 2009

So, bevor wir zum eigentlichen Konzert kommen, wollen wir uns einer kleinen, aber feinen Kontroverse im Vorfeld widmen. Folgendermaßen trug es sich zu: Stefano Stilleti, seines Zeichens Herausgeber dieser grandiosen Lektüre, startete beim Kulturladen in Konstanz eine Anfrage, ob man nicht Manuel, das wäre der Verfasser dieses Artikels, auf die Gästeliste setzen könnte, inklusive unvermeidlicher Assistenz. Man konnte nicht. Was Stefano leicht erzürnte, weiß er doch um den Einfluss seiner Gazette auf orientierungslose Jugendliche bescheid, so sah er sich veranlasst, den stets vorhandenen Plan B in Kraft treten zu lassen. Also wurde bei der Tourleitung, oder wie man das auch immer nennt, angefragt, ob man uns denn freien Einlass zwecks Berichterstattung gestatten würde. Diese wiederum war dazu bereit.
So traf unser Team also beim Kulturladen ein und wir wurden nach kurzen Diskussionen, ohne einen Obolus entrichten zu müssen, hineingelassen – wie es sich für Profis halt gehört. Dabei wurden die Fronten geklärt, der damit erworbene Auftrag wird hiermit erfüllt. So kam es, dass Laibach bereits spielten als ich die Räumlichkeiten betrat. Eine kurze Lagesondierung ergab einen recht gut gefüllten, aber nicht ausverkauften KULA, immerhin – glaube ich – das einzige Klubkonzert, das die Slowenen auf dieser Tour gaben. Sie machen sich auch sonst eher rar, jedenfalls kriege ich auch kaum etwas von übertriebenen Aktivitäten mit. Selbstverständlich kann ich mich täuschen und vielleicht ist das Ganze einfach nur Konzept. Sich rar machen ist wohl das Mittel schlechthin, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; und das will ich nicht als Kritik verstanden haben, diese Niveaustufe will erreicht werden, selbst wenn sie erklommen ist, dann kommt das einer Gratwanderung gleich, die nur die wenigsten unbeschadet überstehen. Muss im Übrigen auch gar nicht sein, Prügel formen den Charakter.
Ein Gang durch die Reihen zeigte eher ältere, mir unbekannte Gesichter. Endlich zum Konzert: Das war verdammt stark. Da auch Experten bei der Beschreibung des Musikstils Laibach scheitern, will ich mich ausnahmsweise nicht übernehmen. Industrial durchmixt mit den verschiedensten anderen Einflüssen, man hört auf jeden Fall, wo beispielsweise Rammstein sich inspirieren lassen haben, um unflätigere Ausdrücke zu vermeiden. Selbstredend ohne das geniale Element von Laibach zu erreichen. Jedenfalls gelang es den Slowenen so etwas wie eine düstere Atmosphäre heraufzubeschwören. Ja, das war böse, obwohl ich recht sicher bin, dass sich die Musiker – oder soll man sagen Konzeptkünstler? – sich als nette und zuvorkommende Menschen erweisen würden, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt.
Im Hintergrund war eine Leinwand aufgebaut, darauf wurden Trailer abgespult, um das Musikalische zu untermalen. War auf jeden Fall stimmig; aber Tanzeinlagen waren dementsprechend nur spärlich zu beobachten, dafür eignet sich die Musik auch nicht wirklich gut, abgesehen davon ist das eh… ich denke, wir verstehen uns. Harte Männer, ihr wisst schon… Ach ja, die Mannschaft um den Sänger wirkte erstaunlich jung, ich kann mir allerdings vorstellen, dass die ganze Band eher sowas wie Projektcharakter hat und auf die aktuellen Scheiben abgestimmt wird. Da ist eh ständig was am laufen in der slowenischen Projektschmiede (Volkswagner! Unglaublich).
Um zu demonstrieren wie nicht nachtragend wir sind, begab sich unsere mittlerweile angewachsene Delegation geschlossen in die KULA-Kneipe, um ein oder zwei Biere zu kippen. Schön. Ich mag Frieden – in diesem Sinne bedanke ich mich bei Stefano Stiletti und dem Kulturladen, was mich dann eventualiter zum Kriegstreiber abstempelt. Tja, da sieht man, was gute Absichten anrichten können… Aber das kriegen wir hin, Frieden lohnt sich! Auch wenn darunter das Provokante, das diese Gazette anscheinend so sehr auszeichnet, arg zu leiden hat. Egal, dieses Mal hat es sich gelohnt. Anders und gut.

Mani

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7. February 2012

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