Krasse Töchter – Mädchen in Jugendkulturen
von Gabriele Rohmann
Interessanter Sammelband über –wie der Titel schon sagt- Mädchen in Jugendkulturen. Zahlreiche Berichte verschiedenster Coleur sowie Auswertungen von jugendsoziologischen Studien ergeben einen bunten, kritischen Blick von innen und von außen. Gefragt wird nach der Position, den Rollenmustern, den Strategien von Mädchen – in weiblich definierten Kulturräumen wie auch in jungendominierten Szenen. Der Hip-Hop-Szene kommt besonderes Augenmerk zu.
Auch das Frauenbild in Mädchenmagazinen, feministische und pädagogische Ansätze in der Mädchenarbeit werden beleuchtet bzw. vorgestellt.
Der Sammelband hat natürlich keinen Anspruch auf Alleingültigkeit, gibt aber einen vielseitigen Überblick über zahlreiche Jugendkulturen und den Platz, den Mädchen / junge Frauen darin einnehmen. Gut gefallen hat mir auch der Beitrag der Musikerin Bernadette la Hengst.
Leider kein Bericht explizit über die Punkszene drinne. Mein Resümee nach der Lektüre: ähmmm, wozu hab ich mich eigentlich im Schottenkaromini und in Springerstiefeln mit irgendwelchen Sexisten geprügelt? Alice Schwarzer und Virginia Woolf gelesen? Mit Nina Hagen gegrölt, dass ich mit Frau Holle auf´n Strich geh?
Insgesamt finde ich nach dieser Bestandsaufnahme, dass es die Mädels heutzutage nicht leichter haben. Denn zu meiner Zeit war der Sexismus viel klarer zu identifizieren, die Seiten waren eigentlich klar, oder? Klingt so, als wär die Welt inzwischen viel Komplizierter. Was solls. Vielleicht bin ich nur zu alt. Ich bin jedenfalls froh, erstens dass ich aus dem Alter raus bin, zweitens dass meine Tochter sowieso ne Fackel ist und sich das nicht noch plakativ aufs Tiehschört schreiben muss! (Vielleicht gibt’s ja irgendwann mal nen Sammelband „Krasse Mütter“, der zeigt, dass aus coolen Dorfpunkprinzessinnen dann auch nur – Mütter werden…)






6. September 2010