SKARBONE 14 – Satellites

8. Februar 2010

[ANR] Uaaaaaarghh, kaum fünf Sekunden nachdem diese Scheibe im Schlitz meines CD-Players verschwunden war, wäre ich ja vor Schreck schon am liebsten aus dem Fenster gesprungen!! In Balkanbeats getränkter Schützenzeltska, der mir noch dazu in meiner absoluten “Lieblingssprache” franzackisch entgegendröhnt: Oweh, oweh, oweh, das kann ja noch heiter werden, so mein erster Gedanke … Doch bereits ab dem zweiten, recht karibisch anmutenden Song “Le grand soir” verflüchtigt sich mein anfängliches Grausen schon ein wenig, beim darauffolgenden Titel kommen dann auch endlich krachige Gitarrenklänge zum Einsatz, ein paar mächtige, mächtige Cheftöne werden einem durch die Gehörgänge geblasen und – zack – beim vierten Stück “Bibissa” hat mich das zehnköpfige Orchester aus Wallonien (Für die Doofies unter euch: Das ist der frankophone Teil Belgiens …) dann doch tatsächlich im Sack! Meine Güte wie großartig, das ist doch … das ist doch … ja, verdammt nochmal das ist doch … Mbalax!!!! Hahahaha, sensationell, ich sehe die fragenden Gesichtsausdrücke der werten Leserschaft förmlich vor mir, aber wer hätte auch geahnt, dass ich im Zuge eines Pankerknacker-Reviews mal derart die Chance zum Klugscheissen eingeräumt bekommen würde (nicht das ich das sonst etwa nie täte, aber egal) … Also, bei Mbalax handelt es sich jedenfalls um eine insbesondere im Senegal und in Gambia sehr beliebte Spielweise des Salsas, die unwiderstehlich ins Tanzbein fährt und während meines letzten längeren Afrika-Aufenthaltes, der nun mittlerweile leider auch schon acht Jahre zurück liegt, kam mir eigentlich kaum was anderes zu Ohren. Ein absoluter Megahit, noch dazu offensichtlich in dem dort vorherrschenden Idiom Wolof (könnte aber auch Mandinko sein, keine Ahnung …) intoniert und jede Person die sich nicht davor scheut etwas über den musikalischen  Tellerrand hinaus zu linsen, sollte sich das unbedingt mal reinziehen – ganz, ganz, ganz großartiges Tennis!! Müßig zu erwähnen, dass ein dementsprechender Erregungslevel für mich bei keinem weiteren der danach noch folgenden zehn Titel mehr erreicht wird, aber dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese Burschen hier auch auf dem Rest der Platte mit einer derart eklektizistischen Freude in sämtlichen nur erdenklichen Genres wildern, dass es einem noch ganz schwindelig zumute wird … Einige zarte Anklänge von Hip Hop und Dancehall hier (wie bei “Petit manifeste” und auch “Scribes sans barrière”) ein wenig Salsa und Merengue da (“Paradis perdu” sowie der Rausschmeisser “P’tit bout de route”) und manchmal schimmert auch der gute, alte Gevatter Punkrock durch (z. B. “Droit fans l’amur” oder “Talk about it”, welches übrigens den einzigen englischen Song darstellt). Besondere Erwähnung verdienen des Weiteren meine zwei – nebst “Bibissa” – anderen Lieblingsstücke, das ungemein entspannte “Marie-Jeanne” und der supersmoothe Reggaegroover “Des ames armées”. Sagenhaft, im Endeffekt fällt noch nicht einmal mehr meine eigentlich grundsätzliche Abneigung gegenüber allem Französischen erschwerend ins Gewicht, ich hätte das nach diesem furchtbaren Auftakt echt nicht für möglich gehalten … Ganz hervorragende Scheibe, kommt noch dazu im tipp-toppen Coverartwork daher und sollte von allen Leuten, die nicht unter akuter Bläserallergie leiden unbedingt ausgecheckt werden!! [ben accident]

Kommentiere SKARBONE 14 – Satellites

Your name here
Your name here
6. February 2012

-->

Powered by WordPress.org - WordPress Theme deZine by ThemeShift.com