Zerfall

24. November 2009

„25 Jahre“ [Spassguerilla]
Wowie, geiler Schrammelpunk aus Berlin-Ost, mit alten DDR-Aufnahmen. Da steh ick ja total drauf. Schnell die SchleimKeim vom Plattenteller und Zerfall in die CD-Ritze. Klingt schön Retro. Kein Wunder, ist ja auch schon n paar Jährchen her. Für all diejenigen die Zerfall wie ich bisher nicht kannten, häng ich hier mal ne kleene Info an. Ziehts euch rein und kauft die Platte:
„Zerfall“ gründeten sich 1983 in Berlin-Ost als Antwort auf die staatlich vorgegebene Jugendkultur in der DDR. Und zwar spontan bei einem Weihnachtskonzert in der Fiedrichshainer Galiläakirche. Die Musiker spielten „autodidaktisch“ und sehr energetisch. Natürlich landeten sie auch sofort im Focus der STASI, was ihnen Platz 1 in der Stasihitliste der zu beobachtenden Punkbands einbrachte. Konzerte fanden außerdem noch in Kirchen, welche damals als Freiräume zur Verfügung standen, statt. Kontakte bestanden zu Berliner Bands und Bands aus dem gesamten DDR-Gebiet. Zusätzlich bestanden Kontakte auch zu Punks aus Westberlin, was die Stasi wiederum alarmierte und zu verstärkten Spitzeltätigkeiten führte. Durch die Besuche und Kontakte wurden auch Tonträger aus dem „Westen“ nach Ostberlin geschmuggelt. Im Gegenzug wurden auch Tonträger mit Material von „Zerfall“ von Ost- nach Westberlin gebracht, was für die jeweiligen „Überbringer“ ziemlich riskant war, denn auch diese wurden an der Grenze regelmäßig gefilzt. Verhöre und Haftaufenthalte in einschlägigen Dienststellen waren keine Seltenheit. 1985 wurde die Band faktisch aufgelöst, als ihr Schlagzeuger zur „Fahne“ (NVA) einberufen wurde. Proben und Konzerte wurden dadurch äußerst erschwert, fanden aber gelegentlich statt. Als Hörprobe habt ihr auf dieser Seite das Lied „BERLIN“ von 1984. Ein Lied, welches die Situation der Punx in Ostberlin Mitte der 80er Jahre beleuchtet, als im Rahmen der Vorbereitungen für die kommende 750 Jahrfeier die „Hauptstadt der DDR“ von „unangenehmen, dekadenten Elementen“ gesäubert werden sollte. Das hies: Keine Punks in der Innenstadt, vor allem an von Touristen und Gästen frequentierten Plätzen (Alexanderplatz, Friedrichstraße, Unter den Linden usw.) und führte für entsprechend aufgefallene Personen bis hin zum „Berlin-Verbot“. Kneipen und andere „kulturelle Örtlichkeiten“, obwohl fast leer, wurden für uns als „Reserviert“ bezeichnet, was mit der Aufforderung zum Verlassen derselben verbunden war. Protest dagegen wurde als Rowdytum ausgelegt…“ [Stiletti]

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6. February 2012

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